"Konflikt besser hinter den Kulissen klären"

30. Jänner 2002, 18:23
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Abgeordnete von FPÖ und ÖVP haben sich ihren Teil zum Koalitionskonflikt gedacht

Wien - Neuwahldrohung, Koalitionskrise, Friedensschluss: Was das einfachste aller Parteimitglieder, Jörg Haider, mitinszeniert, können wirklich einfache Abgeordnete nur von den hinteren Rängen beobachten. Und kommentieren die turbulente Woche mit einer Mischung aus Unverständnis, Sorge und Gelassenheit.

"Eines habe ich gelernt..."

Exskirennfahrer Patrick Ortlieb etwa ist zwar Neopolitiker, hat aber FPÖ-Regel Nummer 1 schon internalisiert - die Medien sind an allem schuld: "Schauen Sie, ich bin nicht lange dabei. Aber eines habe ich gelernt, sich von den Medien nicht verrückt machen zu lassen." Sonst gehe es Politikern wie Skifahrern: "Ist die Lawine einmal losgetreten, kann man schwer wieder herauskommen."

"Jede Investition bringt zuerst Verluste"

Robert Egghart sitzt eine Reihe hinter Ortlieb. Und hätte sich eine leisere Form des Streitens gewünscht: "Ein Konflikt ist wesentlich besser hinter den Kulissen zu klären. Man sollte damit die zuständigen Gremien befassen." Und überhaupt will Egghart als "Mann der Wirtschaft" (er ist Kürschnermeister) den ob der schlechten Umfrage- und Wahlergebnisse Nervösen in seiner FPÖ einen Ratschlag geben, wenn er schon einmal gefragt wird: "Jede Investition bringt zuerst Verluste, erst dann höhere Gewinne."

"Man zeigt Profil und löst Probleme"

Für Nervosität gebe es überhaupt keinen Grund. Findet zumindest die Ärztin und FPÖ-Abgeordnete Brigitte Povysil. Die den Koalitionskonflikt vor allem in den Medien verfolgt - und ihn durchaus goutiert hat: "Ich freue mich, dass das in dieser Form ausdiskutiert wird. Man zeigt Profil und löst Probleme."

Povysil ist Radiologin. Der Befund des praktischen Arztes und ÖVP-Abgeordneten Erwin Rasinger ist ein anderer - und in ein Sprichwort verpackt: "Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte. Beliebig viele Streiterein kann man sich nicht leisten."

"Sehe Konflikt als nicht beendet"

Zumal das Thema, assistiert ÖVP-Kollegin Karin Hakl, gar nicht so bedeutend sei: "Mir als Tirolerin ist Transit wichtiger als Temelín. Die Bewältigung des Verkehrs ist die viel unmittelbarere Bedrohung der Bevölkerung." Mit dieser Einschätzung wird sich Hakl, die eilig dazusetzt, natürlich keine Atomkraftbefürworterin zu sein, beim Koalitionspartner wenig Freunde machen.

Aber was soll’s - auch die FPÖ bereitet nicht nur Freude. So seufzt Inzersdorfer-Chefin und ÖVP-Mandatarin Martina Pecher: "Das Volksbegehren war sehr unvernünftig. Dieses Zündeln hat mich immer gestört." Trotz groß inszenierter Versöhnung ist für sie das Thema Temelín-Volksbegehren und die Folgen nicht ausgestanden: "Ich sehe den Konflikt nicht als beendet." (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 31.1.2002)

Von Eva Linsinger
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