"Es mangelt an Großbetrieben"

31. Jänner 2002, 12:52
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Industriewissenschaft- liches Institut: Spielraum zur Ansiedlung von Konzernen ist in Österreich begrenzt

Wien - Österreich verfügt im Vergleich zu annähernd ebenso großen EU-Staaten über zu wenig Großbetriebe, denen in der Regel eine wesentliche Rolle in der Forschung und bei der Internationalisierung zukomme. Großbetrieben komme zweifellos eine "Leitfunktion" zu. So könne man in den Bereichen Pharma, Information/Kommunikation und Fahrzeugindustrie erst ab bestimmten Größenordnungen an der Forschung teilnehmen, und hohe, riskante Anlaufkosten bei einem Markteintritt im Ausland, etwa in China oder den USA, könnten meist nur "Große" schaffen, meinte der Chef des Industriewissenschaftlichen Institutes (IWI), Werner Clement, am Mittwoch. Obwohl der Mittelstand das Rückgrat der Wirtschaft darstelle, gelte der Slogan "small is beautiful" doch nur begrenzt, so Clement in einem Pressegespräch.

So hätten 1999 die 5 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs zusammen nur rund 20 Mrd. Euro (275 Mrd. S) Erlös erzielt, in Dänemark 22 Mrd. Euro, in Finnland 53, in Belgien 68 und in den Niederlanden sogar 216 Mrd. Euro.

Wenig Platz für Große

Dass in der staatlichen Beteiligungs- und Privatisierungsholding ÖIAG wieder mehr in Richtung strategische Eigentümer gedacht wird, hält der IWI-Leiter für positiv. Eine zeitlang wäre man hierzulande nämlich "gesteinigt" worden, hätte man "strategisches Eigentum" und "Standort Österreich" in einem Atemzug genannt. Dennoch sollte die ÖIAG aus Sicht Clements keine Industriepolitik machen, "macht sie ja auch nicht", meint Wirtschaftskammer-Industriesyndikus Joachim Lamel.

Der Spielraum zur Ansiedlung von Konzernen in Österreich ist nach Meinung von Clement nur begrenzt. Als Positiv-Faktor für Ansiedlungen erweise sich zweifellos der Forschungsfreibetrag. Und zum Glück seien seit mehr als einem Jahrzehnt "Stärkefelder" bzw. "Cluster" gebildet worden - "da gibt es eine Reihe von Erfolgsstories". Von der Anzahl her gebe es bereits genug Cluster, manche bedürften aber eines neuen Anschubs: "Auch bei Clustern besteht die Gefahr des Absterbens".

Passive Handels- und Leistungsbilanzen

Bei der viel beschworenen Internationalisierung der heimischen Wirtschaft könnten "erfreuliche Exporterfolge" nicht über die harten Tatsachen hinwegtäuschen, dass Handels- und Leistungsbilanz sowie die Bilanz der Direktinvestitionen Österreichs anhaltend passiv seien. Trotz mehrerer Anläufe zu "Exportoffensiven" und Initiativen auch der Wirtschaftskammer, sei hier seit der Kanzlerschaft von Franz Vranitzky (bis Jänner 1997) "nicht mehr viel geschehen". Deshalb sollten dazu wieder adäquate Instrumente aktiviert werden.

Positiv beurteilt Clement die Einrichtung des "Rates für Forschung und Technologie", der in Sachen F&E den drei dafür zuständigen Ministerien quasi "übergestülpt" worden sei. Allerdings sollten sich diese Partner rascher untereinander abstimmen. Nicht zu unterschätzen sei indes die Rolle der Fachhochschulen, bei denen unter Umständen noch Kompetenzzentren dazukämen. Die Forschungsquote in Österreich bis 2005 auf 2,5 Prozent des BIP anzuheben, werde unter Umständen nicht gelingen, eine kleine Verzögerung mache aber nichts aus: Oft sei der Output viel besser als der Input erwarten lasse, etwa im Holz-Sektor, der nun ebenfalls als Hochtechnologie anzusehen sei. (APA)

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