Acht Millionen in Gefahr

30. Jänner 2002, 12:53
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Volkszählung: Bereinigung um Karteileichen und Doppelzählungen könnte Bevölkerungszahl leicht senken

Wien - Noch im September hatte es ausgesehen, als würde Österreich - knapp aber doch - erstmals die Acht Millionen Einwohner-Grenze überspringen. Nun ist diese Marke allerdings gefährdet, wie Volkszählungs-Projektleiter Karl Isamberth bestätigte. Grund dafür ist die schwache Absicherung der achten Million: Die vorläufig gezählten 8.065.166 Einwohner könnten sich nämlich nach der Bereinigung um "Karteileichen" und Doppelzählungen soweit verringern, dass die Einwohnerzahl weiterhin mit einer "7" beginnen könnte.

Verdacht auf Doppel- oder Mehrfachzählung besteht momentan bei mehr als 30.000 Personen, die an zwei oder mehr Orten einen "Hauptwohnsitz" angegeben haben. Zudem stimmen in fast 47.000 Fällen die Daten der Volkszählung nicht mit jenen des Melderegisters überein. Letzteres betrifft vor allem Wien (38.000 Fälle), womit der Bundeshauptstadt weiterer Bevölkerungsverlust droht. Diese Fälle müssen in den kommenden Wochen von der Statistik Austria gemeinsam mit den Betroffenen geklärt werden.

Eine weitere Verringerung der Einwohnerzahlen droht durch die zahlreichen "Ersatzausfüllungen". (Für Personen, die mit Hauptwohnsitz in einer Gemeinde gemeldet, aber zum Zeitpunkt der Zählung nicht erreichbar waren, konnten die Fragebögen ersatzweise durch die Gemeinde ausgefüllt werden). Die Zahl der Ersatzausfüllungen erscheine in manchen Gemeinden "unplausible hoch", so Isamberth: "Die Statistik überprüft daher solche Fälle, wobei die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass immer noch eine - zum Teil beträchtliche - Zahl von 'Karteileichen' gestrichen werden muss." Die Zahl der Streichungen werde vermutlich in die tausenden gehen.

Keine Auswirkungen auf die österreichische Einwohnerzahl dürften dagegen die derzeit laufenden "Reklamationsverfahren" haben, bei denen Gemeinden um Einwohner kämpfen. Diese seien nämlich ein "Nullsummenspiel", so Isamberth. Klarheit über die Einwohnerzahl wird laut Isamberth nicht vor dem Spätsommer herrschen. Bis dahin sollen sowohl die Reklamationsverfahren als auch die anderen Klärungsfälle erledigt sein.

Die Auswirkungen einer leicht nach unten revidierten Bevölkerungszahl wären laut Isamberth nicht sonderlich dramatisch. Zwar werde man die Bevölkerungsprognosen etwas nach unten revidieren müssen, "aber man muss die Kirche im Dorf lassen und sich immer bewusst machen: Ein Prozent Veränderung sind 80.000 Leute, und wir sind von einem Prozent noch weit entfernt". (APA)

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