Die meisten Beitrittsländer sind ärmer als die Armenhäuser der EU

30. Jänner 2002, 18:29
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Polen erreicht beim BIP pro Einwohner nicht einmal 40 Prozent des EU-Durchschnitts

Brüssel/Luxemburg - Die meisten Kandidatenländer für einen Beitritt zur Europäischen Union sind noch deutlich ärmer als die ärmsten Regionen der bestehenden 15er-Gemeinschaft. Polen etwa erreicht beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner nicht einmal 40 Prozent des EU-Durchschnitts, wie das Europäische Statistikamt Eurostat in Luxemburg am Dienstag teilte. Die französischen Übersee-Besitzungen Reunion und Guyana sowie die griechische Region Ipeiros als ärmste Gegenden der bestehenden EU schafften hingegen 51 Prozent.

Neun der 13 Kandidatenländer liegen unter dem Niveau der schwächsten EU-Regionen

Insgesamt liegen neun der 13 Kandidatenländer nach den Vergleichszahlen von 1999 bei ihrer Wirtschaftskraft unter dem Niveau der schwächsten EU-Regionen. Ungarn liegt mit 50 Prozent relativ dicht bei den EU-Armenhäusern. Die Wirtschaftskraft der baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland, die ebenfalls als Kandidaten für eine mögliche erste Beitrittsrunde bis zum Jahr 2004 gelten, lagen mit 37 beziehungsweise 33 und 29 Prozent des durchschnittlichen EU-BIP pro Kopf noch deutlich niedriger.

Am Ende der Messlatte lag Rumänien mit 23 Prozent. Die Türkei, mit der trotz Kandidatenstatus noch nicht über einen Beitritt verhandelt wird, erzielte 26 Prozent des EU-Durchschnitts. Bulgarien schaffte zuletzt 27 Prozent. Polen lag bei 39 Prozent, die Slowakei bei 48 Prozent. Besser als die allerärmsten EU-Regionen standen im BIP- Vergleich Zypern (85 Prozent), Slowenien (68 Prozent), Tschechien (59 Prozent) sowie Malta (55 Prozent) da.

Unterschiede zwischen reichsten und ärmsten EU-Regionen werden nach Erweiterung noch größer

Die Zahlen zeigen, dass sich die bestehenden Unterschiede zwischen den reichsten und ärmsten Regionen in der EU nach der Erweiterung noch weiter vergrößern werden. Die wirtschaftlich stärksten Gegenden der EU erzielen ein BIP pro Kopf, das mehr als doppelt so hoch wie der unionsweite Durchschnitt liegt: London lag zuletzt bei 242 Prozent, gefolgt von der belgischen Hauptstadtregion Brüssel (217 Prozent), Luxemburg (186 Prozent) und Hamburg mit 183 Prozent.

Die EU-Kommission will an diesem Mittwoch ihre Leitlinien für die Schlussphase der Beitrittsverhandlungen vorstellen. Dabei geht es um die schwierigen Bereiche der Landwirtschaft und der Regionalhilfen.(APA/dpa)

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