Frächter-Paradies Luxemburg?

30. Jänner 2002, 11:59
posten

Verkehrsminister sieht keinen Bedarf für Arbeitsgenehmigungen - Kralowetz-Gruppe in Luxemburg: Nur drei EU-Bürger unter 375 Lenkern

Luxemburg/Wien - Das Großherzogtum Luxemburg, derzeit ein Brennpunkt der europaweiten polizeilichen Ermittlungen in der Affäre um die illegale Beschäftigung hunderter osteuropäischer Fernfahrer, hat bis auf die technische Kontrolle keinerlei Möglichkeiten zur Überprüfung der im Land ansässigen Speditionsgruppe des Österreichers Karl Kralowetz gehabt. Das erklärte laut der Tageszeitung "Luxemburger Wort" der luxemburgische Verkehrsminister Henri Grethen am Dienstag vor dem Parlament des Landes. Und diese technische Überprüfung sei immer fristgerecht erfolgt, beteuerte der Politiker.

Arbeitsgenehmigungen durch das Arbeitsministerium hätten die Fahrer nicht benötigt, da sie nicht in Luxemburg zum Einsatz gekommen seien, erklärte Grethen. Dem Minister zufolge ist die Luxemburger Firma (UCL, Anm.) des in der Vorwoche verhafteten österreichischen Transportunternehmers Karl Kralowetz seit dem 28. April 1986 in Esch/Alzette ansässig und hat zusammen mit anderen Firmen der Gruppe 312 Lkw, jedoch keine Anhänger, in Luxemburg registriert.

Obwohl die Kontrollmechanismen innerhalb des Schengen-Raumes beschränkt seien, hätte die Zollverwaltung seit 2001 Spediteuren 412 gebührenpflichtige Verwarnungen ausgestellt, erläuterte Grethen. Dabei sei Kralowetz in 42 Fällen betroffen gewesen. Auch habe sein Ministerium sämtliche Transportunternehmen aufgefordert, eine Liste aller Beschäftigten einzureichen. Dabei habe der nun beschuldigte Betrieb eine Liste mit 375 Fahrern hinterlegt. Davon seien nur drei EU-Bürger, ansonsten größtenteils Slowaken gewesen, die bei der dortigen Sozialversicherungsbehörde gemeldet gewesen seien. In den Räumlichkeiten der Firma seien aber zehn Angestellte beschäftigt gewesen, was belege, dass es sich um keine Briefkastenfirma handle, unterstrich Grethen.

Die in Luxemburg festsitzenden osteuropäischen Fahrer würden vom Familienministerium die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt bekommen, um in ihre Heimat zurückkehren zu können, so der Ressortchef.

Während frühere Regierungen internationale Speditionen zur Ansiedelung im Großherzogtum motivieren wollten, habe sich diese Politik seit 1999 geändert, erklärte Grethen. Im aktuellen Regierungsübereinkommen sei nachzulesen, dass die Luxemburgische Regierung keine internationale Spediteure mehr anlocken wolle. In diesem Sinne habe man bilaterale Abkommen etwa mit Rumänien und Weißrussland abgebrochen, da man sich der Gefahren bewusst gewesen sei, sagte Grethen laut dem Zeitungsbericht. Firmen, die in Luxemburg keine Aktivitäten nachweisen könnten, hätten bei der Vergabe von Genehmigungen "schlechte Karten".(APA)

Share if you care.