Berlusconi besuchte Moschee in Rom: Keine Kriminalisierung des Islam

30. Jänner 2002, 11:26
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Italienischer Regierungschef bemüht, seine Aussagen über Islam vergessen zu machen: will islamischen Rosenkranz "verwenden, um braver zu werden"

Rom - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat am Dienstagabend in Begleitung von Botschaftern arabischer Länder in Rom die Moschee in der italienischen Hauptstadt besucht. Berlusconi ist offenbar weiterhin bemüht, seine Aussagen über die angebliche Überlegenheit der westlichen Zivilisation, die im September heftige Kritik in ganz Europa hervorgerufen hatten, vergessen zu machen.

Unter den Blitzlichtern zahlreicher Fotografen zog sich Berlusconi die Schuhe aus und ließ sich durch die Moschee führen. Als Geschenk erhielt er den traditionellen islamischen "Rosenkranz", der zur Zählung der 99 Namen Allahs dient. "Ich werde ihn verwenden, um braver zu werden", versprach der Regierungschef.

In einer kurzen Rede versicherte Berlusconi, er habe niemals behauptet, dass die westliche Zivilisation dem Islam überlegen sei. Die Medien hätten in "Form und Inhalt" seine Worte fehlinterpretiert. "Der Weg, den Italien und die Europäische Union beschreiten wollen, ist nicht den Konflikt, sondern die Begegnung unterschiedlicher Völker und Zivilisationen zu fördern. Nach dem 11. September haben die Führer der westlichen Länder stets den Begriff eines Konflikts der Zivilisationen mit dem Islam verworfen", so Berlusconi.

Laut dem italienischen Regierungschef sei die "Kriminalisierung" des Islam unter dem Vorwand der Bekämpfung einiger krimineller und terroristischer Gruppen unannehmbar. Italien habe sich auch wegen seiner strategischen Position im Mittelmeerraum stets um den Dialog mit anderen Kulturen bemüht.

Berlusconi scheint fest entschlossen, die Öffentlichkeit die Auseinandersetzungen um seine Aussagen gegen den Islam vergessen zu lassen. Vergangene Woche hatte er mit dem Papst in Assisi am Treffen der Weltreligionen teilgenommen. Bereits im Oktober hatte er im Palazzo Chigi, dem Sitz der römischen Regierung, die Botschafter arabischer Länder getroffen, denen er wiederholt versichert hatte, dass seine Worte über den Islam missverstanden worden waren.(APA)

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