Ehemaliger afghanischer Politiker begrüßt US-Finanzzusagen

30. Jänner 2002, 10:50
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Mohammad Amin Wakman: "Friedenstruppen wichtig, aber: Das afghanische Volk braucht jetzt vor allem Geld!"

Wien - Mohammad Amin Wakman, ein früheres afghanisches Regierungsmitglied, hat anlässlich eines Wien-Besuchs die Zusage von US-Präsident George Bush begrüßt, Ministerpräsident Hamid Karsai finanzielle Mittel für Projekte zum Wiederaufbau Afghanistans zur Verfügung zu stellen. "Am dringendsten braucht das afghanische Volk Geld!" erklärte der in New York lebende Exil-Afghane im Gespräch mit der APA . Wakman hofft auf weitere finanzielle Unterstützung Afghanstans durch die UNO und baut auf die Stabilisierung des Landes durch die UNO-Friedenstruppen: "Die Stabilität innerhalb des Landes ist noch lange nicht gewährleistet!", so Wakman.

Präsenz der UNO-Schutztruppe seit noch mindestens zwei Jahre nötig

Der nach eigenen Angaben letzte Überlebende der Gründungsmitglieder der Sozialdemokratischen Partei Afghanistans glaubt, dass für die Präsenz der UNO-Schutztruppen noch mindestens zwei Jahre nötig sind. "Erst dann wird sich das Land soweit erholt haben, dass eine stabile Verfassung greift und die Freiheit der Bevölkerung durch demokratische Gesetze gewährleistet ist." Doch bedürfe es bis dahin nicht nur harter Vorarbeit durch die interimistische Regierung Hamid Karsais, sondern darüber hinaus der Tätigkeit Nichtstaatlicher Organisationen (NGOs). "NGOs haben in der Vergangenheit immer schon eine wichtige Rolle bei der Zusammenarbeit mit der Bevölkerung gespielt, so viel Erfahrung kann die neue Regierung gar nicht mitbringen", so der 63-jährige Exil-Afghane.

Der frühere Mitarbeiter und Sprecher von Paschtunen-Medien und Herausgeber der Tageszeitung "Dewa" betonte in dem Interview aber auch das notwendige Engagement internationaler Medien für die Anliegen der afghanischen Bevölkerung: "Eine objektive Berichterstattung über die Situation des Landes und die Anliegen der Bevölkerung ist so wichtig wie nie zuvor."

"Ich hoffe, Frauen werden wieder öffentliche Ämter bekleiden"

Über die Rolle der Frauen in der zukünftigen afghanischen Gesellschaftsordnung meinte der ehemalige Generalsekretär der Sozialdemokratischen Partei in dem Gespräch: "Ich hoffe, Frauen werden zukünftig wieder öffentliche Ämter bekleiden." Zugleich rief er alle Frauen dazu auf, "sich zu trauen, auch in der neuen Regierung mit zu wirken".

Auf die Frage nach der Einschätzung der Erfolge der US-Regierung bei der Verfolgung von Terroristen der El Kaida und anderer extremistischer Organisationen sagte Wakman: "Die USA haben ja schon Teilerfolge erzielt. Es ist schwierig für den Einzelnen, zu beurteilen, ob die wichtigsten Taliban-Führer, einschließlich (des mutmaßlichen Terror-Drahtziehers) Osama bin Laden, verhaftet werden können. Ob Bin Laden noch lebt oder nicht, weiß ich nicht. Er ist auf jeden Fall geschwächt. Und die Taliban ebenfalls."

Mohammad Amin Wakman wurde am 1. November 1939 in Maydan, Afghanistan, geboren. Er beendete 1964 sein Studium in Kabul und beteiligte sich schon in frühen Jahren an der Sozialdemokratischen Partei, ("Afghan Mellat"), zu deren Vorsitzenden er auch 1987 gewählt wurde. Nach der kommunistischen Machtübernahme im April 1978 schied er aus der afghanischen Regierung aus. Er gab mehrere Bücher heraus und veröffentlichte zahlreiche Artikel. Wakman plant eine Rückkehr nach Afghanistan im März dieses Jahres. (APA)

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