Wachsender Unmut in der arabischen Welt über US-Nahostpolitik

30. Jänner 2002, 14:15
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Jordanischer König unterstreicht Legitimität Arafats - Auch Ecevit sagt Palästinenserführung Unterstützung zu

Amman/Jerusalem/Ankara - In der arabischen Welt wächst der Unmut über den betont pro-israelischen Kurs der amerikanischen Nahostpolitik. Der jordanische König Abdullah II. und Saudiarabiens Kronprinz Abdullah haben ebenso wie der ägyptische Präsident Hosni Mubarak die Haltung Washingtons gegenüber der palästinensischen Führung unter Präsident Yasser Arafat heftig kritisiert. Der türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit forderte ein amerikanisches Eingreifen in den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern und sagte Arafat Unterstützung zu.

Jordanischer König wirft Israel vor, vom Kampf gegen den Terrorismus zu profitieren

Es sei zu bedauern, dass Israel vom Kampf der USA gegen den Terrorismus profitiere und versuche, den Friedensprozess zu beenden und der palästinensischen Führung einen Schlag zu versetzen, erklärte der jordanische König am Mittwoch vor Antritt seiner USA-Reise. Abdullah II. bekräftigte seine volle Unterstützung für den Legitimitätsanspruch des palästinensischen Präsidenten. Solange es keinen souveränen palästinensischen Staat "unter der legitimen Führung Arafats" gebe, könne der Nahost-Konflikt nicht gelöst werden, sagte der haschemitische Monarch, der am Mittwoch seinen 40. Geburtstag feiert, nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Petra in Amman. Abdullah wird in Washington mit Präsident George W. Bush zusammentreffen. Die Palästina-Frage werde das Hauptthema seiner Gespräche im Weißen Haus sein, betonte der König, dessen Vater Hussein 1988 "in Anerkennung des legitimen Rechts der Palästinenser auf einen unabhängigen Staat" die staatsrechtliche Ausgliederung des seit 1967 von Israel besetzten Westjordanlandes mit Ostjerusalem aus seinem Reich proklamiert hatte.

Saudiarabiens Kronprinz und Regent Abdullah hat seinerseits scharfe Kritik an der Nahost-Politik der US-Regierung geübt. Washington lehne es ab, das Leiden des palästinensischen Volkes zu lindern, sagte er in einem Interview für die amerikanischen Zeitungen "Washington Post" und "New York Times". In der Palästinenser-Frage sei es schwer, die USA zu verteidigen. "Ich habe große Sorge hinsichtlich Amerikas Glaubwürdigkeit (in der Nahost-Politik), und es kümmert mich schon, wie Amerika eingeschätzt wird", erklärte der Kronprinz.

Mubarak: Israelische Politik provoziert "unverantwortliche Gewalt und Terrorakte

Die Türkei werde Initiativen ergreifen, sagte Ministerpräsident Ecevit am Mittwoch vor seinem Abflug nach Sofia vor der Presse in Ankara. Unmittelbar nach seiner Rückkehr werde er sich mit dem jüngsten Hilfsappell Arafats befassen. Die US-Regierung habe er auf die "absolute Notwendigkeit" einer amerikanischen Nahost-Intervention aufmerksam gemacht. Ägyptens Staatschef Mubarak hatte erklärt, die Menschen in den arabischen Ländern seien nicht bereit, die derzeitige Situation in den Palästinensergebieten und die Zerstörung des Friedensprozesses durch Israel einfach zu akzeptieren. Die israelische Politik provoziere "unverantwortliche Gewalt und Terrorakte".(APA/AP)

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