Bedroht und doch stark wie nie zuvor

30. Jänner 2002, 20:18
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Der amerikanische Präsident in seiner Rede über die Lage der USA in einer Zeit des neuen Terrorismus

Washington/New York - "Wir sind im Kriegszustand, unsere Wirtschaft ist in einer Rezession, und die zivilisierte Welt ist von beispiellosen Gefahren bedroht. Trotzdem war unsere Nation noch nie so stark", meinte George W. Bush und forderte die Mitglieder von Senat und Repräsentantenhaus auf, ihn bei seinem Zweifrontenkrieg gegen Terror und Rezession zu unterstützen.

Im Kampf gegen den Terrorismus sei zwar die erste Schlacht gewonnen, doch der Krieg gegen den internationalen Terror noch lange nicht. Die USA und der Rest der Welt seien noch immer von "Zehntausenden tickenden Zeitbomben" bedroht. Und es gebe noch immer Staaten, die Terroristen aktiv unterstützten: Bush nannte den Irak, den Iran und Nordkorea als "Achse des Bösen". Die USA würden nicht zulassen, dass diese Staaten die Welt weiter mit Massenvernichtungswaffen bedrohten. Es müsse rasch gehandelt werden: "Die Zeit ist nicht auf unserer Seite." Zudem machte Bush, dessen Popularitätswerte seit September alle Rekorde übertreffen, klar, dass er diesen Feldzug als einen persönlichen ansehe: "Ich werde nicht untätig zusehen, während die Gefahren immer näher kommen."

Obwohl der Name Osama Bin Laden während der 48 Minuten langen Rede kein einziges Mal fiel, erwähnte Bush eine riesige "Unterwelt der Terroristen", die in mindestens einem Dutzend Ländern ausgebildet würden - und nannte unter anderem Gruppen wie die Hamas und Hisbollah beim Namen.

Bush wies auch darauf hin, dass der bisher so erfolgreiche Krieg gegen den Terror äußerst teuer sei: Bisher habe er mehr als eine Milliarde Dollar pro Monat gekostet. Und kündigte beinahe nahtlos die größte Erhöhung des Verteidigungsbudgets seit zwei Jahrzehnten an: "Der Preis von Freiheit und Sicherheit ist hoch, aber nie zu hoch. Was immer es kosten mag, unser Land zu verteidigen, wir werden es bezahlen." Gleichzeitig gelte es jedoch auch, die Rezession im eigenen Land zu besiegen - es sei essenziell, Jobs zu schaffen und die Wirtschaft anzukurbeln. Und dazu benötige er die Hilfe eines vereinten Kongresses. "Der Weg aus dieser Rezession ist es, Jobs zu schaffen, Investitionen in Firmen und deren Ausstattung zu fördern und die Steuererleichterungen zu beschleunigen, sodass die Menschen mehr Geld ausgeben könnten."

Neue Absicherungen

Hier hörten allerdings die überparteilichen Gemeinsamkeiten auf - in der Antwort der Demokraten auf Bushs Rede erklärte Minderheitensprecher Dick Gephardt, obwohl die Demokraten im Krieg Schulter an Schulter mit dem Präsidenten kämpften, würden sie sich weigern zu akzeptieren, dass sie auch in der Wirtschaft in einer Riege mit ihm stehen müssten.

Wie erwartet, fiel der Name der Firma Enron, die mit der größten Pleite in der Geschichte der Nation Schlagzeilen gemacht hatte, kein einziges Mal. Allerdings wolle er, Bush, den Kongress auffordern, neue Absicherungen für die Pensionsfonds von Angestellten großer Firmen sowie strengere Buchführungspraktiken zu schaffen.
(DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2002)

STANDARD-Korrespondentin Susi Schneider
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