Neue Kombinationstherapie gegen Fettsucht

29. Jänner 2002, 19:41
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Lebensumstellung der PatientInnen - Spezielle Ausbildung für Ärzte an Grazer Uni-Klinik

Graz - Neue Hoffnung für Fettsüchtige kommt aus der Steiermark: An der Grazer Universitätsklinik wurde ein Konzept zur Behandlung von krankhaftem Übergewicht entwickelt, das verhaltenstherapeutische Ansätze mit der Einnahme des Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer Sibutramin (Reductil) kombiniert. Inzwischen wird das so genannte ReducTeam-Konzept von über 40 Ärzten und zwei Krankenhäusern in der Steiermark und österreichweit von rund 300 Ärzten, die in Graz ausgebildet werden, angewendet.

Das an der Medizinischen Universitätsklinik unter Vorstand Günter Krejs und der Ernährungswissenschafterin Sandra Wallner entwickelte Konzept setzt nicht bei Diäten an, sondern am Erlernen von Verhaltensänderungen. Dazu hat man an der Klinik so genannte Reduc-Teams gebildet, in denen sich die schwer Übergewichtigen zu einer gemeinsamen "Lebensstiländerung" zusammengefunden haben.

Lebensumstellung

Erst im dritten Monat der insgesamt halbjährigen therapeutischen Lebensstiländerung werden die Themen Bewegung und Ernährungsverhalten angegangen, wobei es aber "nie um Kalorienzählen" geht, so die Ernährungswissenschafterin. Zusätzlich müssen die Patienten Trinkprotokolle führen, in denen festgehalten wird, wie viel Flüssigkeit die Patienten zu sich nehmen. "Die meisten Personen trinken anfangs viel zu wenig und sind weit von den empfohlenen zweieinhalb bis drei Litern pro Tag entfernt", weiß Wallner.

Um die schwer zu bewältigende Lebensumstellung zu erleichtern, erhalten die Patienten Unterstützung durch ein Arzneimittel, das zentral im Gehirn wirkt. Durch seine Wirkung auf das Gehirn bremst das Mittel Heißhungerattacken, normalisiert damit den Appetit und sorgt dafür, dass der Körper mehr Energie verbraucht. Der Wirkstoff ist ein Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer, der auf das Appetitzentrum im Gehirn wirkt. Das Medikament ist seit seit rund einem Jahr in Österreich erhältlich, vom Arzt verschreibungspflichtig und kostet laut Wallner "rund 1.450 Schilling" im Monat.

Die Erfahrungen des Grazer Teams - über 300 Patienten wurden an der Klinik behandelt - belegen laut Krejs die Sinnhaftigkeit dieser medikamentösen Unterstützung für das Gehirn: Im Schnitt wurde eine Reduktion von 14 Kilogramm Körpergewicht und elf Kilogramm Fettmasse erreicht. (APA)

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