"Treffen musst halt"

4. Februar 2002, 20:25
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Österreichs Biathleten ist alles und auch nichts zuzutrauen. Das macht die Sache spannend. Behauptet Daniel Mesotitsch, der unlängst im Weltcup ziemlich überraschend einen ersten Platz schaffte

Wien - Daniel Mesotitsch zerbricht sich nicht unnötig den Kopf, das hält nur auf, auf ein mentales Training pfeift der 25-Jährige überhaupt. "Das bringt nix. Bist im Tief, musst halt mehr trainieren." Mesotitsch ist erstens Kärntner (unüberhörbar) und zweitens Biathlet. Am vergangenen Freitag hat er in Antholz seinen ersten Weltcup im Einzel gewonnen (20 km). Zwei Tage später ist er in der Verfolgung noch Dritter geworden. "Im Sport gibt es keine Erklärungen", erklärt er diese Erfolge nicht. Allerdings: "Du musst gut vorbereitet sein, darfst net danebenschießen, brauchst an guten Ski und Glück."

Plötzlicher Sieg

Er ist nach dem Sieg weder in die Luft gesprungen noch hat er den Schnee geküsst oder in die Skier gebissen. "Weil ich es gar nicht mitbekommen habe." Soll heißen: Mesotitsch hatte die Startnummer 34, mehr als 100 Athleten waren in Antholz dabei. Er schoss nur einmal fehl (bei 20 Versuchen), als er längst im Ziel war, hatte das Gros noch auf der Loipe zu tun: "Nach den ersten Berechnungen habe ich mir gedacht, ich schaff' meine erste Top-Ten-Platzierung. Neunter oder so. Ich konnte ja nicht wissen, dass die anderen später nix mehr treffen." Ole Einar Björndalen etwa, der legendäre Biathlet, bekam fünf Strafminuten aufbrummt, der Norweger hatte 21 Sekunden Rückstand, wurde Zweiter. Mesotitsch: "Ich war perplex, fast konfus. Dafür konnte ich nix." Aber darin liege der Reiz seines Sports: "Er ist spannend, da kann immer was passieren, des is a Nervenkitzel bis zum Schluss."

Keine Tradition

Mesotitsch ist ein typischer österreichischer Biathlet, also ein Kind seines Verbandes. Er begann einst als Langläufer, konnte sich nicht wirklich durchsetzen, wechselte die Disziplin. Bei ihm war das vor fünf Jahren der Fall. "Damals habe ich zum ersten Mal ein Gewehr in der Hand gehabt. Von der Grundausbildung beim Bundesheer abgesehen." Das unterscheide Österreich von Nationen wie Deutschland oder Norwegen. "Die sind von Anfang an Spezialisten. Deshalb haben wir Schwankungen. Uns ist alles oder nichts zuzutrauen, wir haben keine Tradition."

Christoph Sumann ist ein anderes Beispiel. Er wurde erst vor zwei Jahren Biathlet, gewann heuer in Osrblie einen Weltcup im Sprint. Im Laufen zählt er zu den Besten. "Beim Schießen hapert's, das dauert", sagt Mesotitsch. Er selbst ist der schwächste Läufer im Team, aber der verlässlichste Schütze. "Mir ist gelungen, die Abstände zwischen den Schüssen zu verkürzen."

Prinzipien statt Geld

Der Kärntner jobbt als Zollwachebeamter in Unterloibl, die haben eine eigene Sportgruppe. Von der Sporthilfe bekommt er (noch) keinen Euro (vormals Schilling), der Kopf ist frei von Sponsoren. "Vielleicht ändert sich das." Sportdirektor Walter Mayer habe dafür gesorgt, "dass wir unter professionellen Bedingungen arbeiten können. Wir müssen uns halt damit abfinden, dass er uns oft Pfeif'n nennt." Ludwig Gredler, Sumann, Wolfgang Rottmann und Wolfgang Perner sind die anderen Pfeif'n. Mesotitsch nennt Gredler sein Vorbild. "Ein Wahnsinn, was der aus seinem Körper rausholt." Ihm selbst gehe es um die Verwirklichung seiner Prinzipien: "Wille, Geduld und Ehrgeiz führen zum Erfolg."

Salt Lake City sind für Mesotitsch die ersten Olympischen Spiele. "Ich bin neugierig auf das ganze Drumherum. Wenn aber einer behauptet, ich bin Favorit, bekomme ich einen Lachkrampf."(Christian Hackl, Printausgabe DerStandard, 30.01.2002)


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