"Ohne Qualifikation Unternehmer - skurril"

29. Jänner 2002, 19:49
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Wiener Handel kritisiert neues Gewerberecht

Wien - "Mit etwas Verwunderung zur Kenntnis genommen" habe er den vom Wirtschaftsministerium vor einer Woche vorgelegten Entwurf zur einer Novelle der Gewerbeordnung, sagt Fritz Aichinger, Spartenobmann des Handels in Wien - und dies nicht nur wegen der unüblichen Vorgangsweise, einen Gesetzesentwurf vor der Begutachtung vom Ministerrat absegnen zu lassen.

Vielmehr stört den Wirtschaftskämmerer und Sportartikelhändler, dass "Unternehmertum im Handel künftig ohne jegliche Qualifikation möglich sein soll". Dies sei insofern "skurril", da es dem Postulat vom lebenslangen Lernen widerspreche.

"Es geht um Qualität"

Wie diese Qualifikation auszusehen habe und welche Berufserfahrung anzurechnen sei könne noch definiert werden. Den Vorwurf, dies sei ein protektionistischer Ansatz, weist Aichinger zurück. Es gehe um die Qualität des Handels in Österreich, kaufmännische Kenntnisse seien dafür Basis; weiters auch darum, "dass jemand, der selbst keine Ausbildung hat, auch keine Lehrlinge ausbilden kann".

Darüber hinaus zweifelt Aichinger auch am Unternehmensgründungsboom, der von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein prophezeit werde. "Die Schwierigkeiten im Handel liegen doch ganz woanders: nämlich in der Konzentration und in der Flächenexpansion."

Aichinger ist auch dagegen, dass der Handel ein uneingeschränktes Nebenrecht sämtlicher anderen Gewerbe werden soll. Dabei störe vor allem, dass im Gesetzesentwurf ein Konnex zwischen Haupt- und Nebenrechten fehle. Diesen zu schaffen hat Bartenstein aber schon zugesagt, der "Charakter des Stammgewerbes" werde erhalten. (szem, DER STANDARD, Printausgabe 30.1.2002)

KOMMENTAR
Qualität ohne Dekret
Von Leo Szemeliker
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