Kommentar: Ausbeutung oder Ausbeutung

31. Jänner 2002, 13:50
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Das neue Kindergeld ist keine Alternative

Welche Möglichkeiten haben Frauen hinsichtlich der Erwerbstätigkeit, vor allem dann, wenn sie Kind(er) haben und finanziell unabhängig sein wollen?

Täuschung 1 - Karrieristin

Da gibt es zum einen das uns bekannte Szenario Nummer 1. Es folgt dem Lockruf der patriarchalen Kapitalismus-Verteidiger. Ihr Motto lautet "Frauen können alles erreichen". Dass damit die unhinterfragte Übernahme männlicher Normen und in diesem Sinne die Zustimmung ihrer Einvernahme vorausgesetzt wird, braucht nicht erwähnt zu werden. Ellbogen- und andere Rücksichtslosigkeits-Techniken gehören genauso dazu wie ihre optische Angleichung an die "Soldaten des Kapitalismus": Uniformiert im Kostüm, Schultern wattiert, aufrecht, gepflegt und fad. Da bleiben die Jubelmeldungen nicht aus: "Anzahl der Karrierefrauen ständig im Steigen", "Wirtschaft - besonders IT-Branche - setzt voll auf Frauen", "Karriere mit dem weiblichen Trick" etc. Rackern von früh bis spät, hechel, hechel, brave Frau!

Erfolg hat SEINEN Preis

Wie es hinter den chicen Business-Kostümchen aussieht, interessiert niemanden. Erfolg hat eben SEINEN Preis. Die Probleme spitzen sich jedoch noch zu, wenn Kinder kommen. Manche Karrierefrau leistet sich ein Kindermädchen, eine andere spannt die gute Oma ein und die dritte bleibt zuhause, in der Hoffnung, später ohne Probleme wieder einsteigen zu können. Papa ist in den seltensten Fällen gefragt, wie die im Vorjahr gemessene Zahl der männlichen Karenzgeher bezeugt, sie betrug weniger als ein Prozent. Bei allen Parallelitäten zu den männlichen Karrieristen gibt´s natürlich ein kleines Problem: Nur die wenigsten Frauen verdienen so viel wie ihre männlichen Pendants. Und sind gleichzeitig um ein wesentliches gestresster.

Täuschung 2 - Fleißige Mutter

Szenario Nummer 2 folgt dem Lockruf von Schwarz-Blau, dem Kindergeld mit Zuverdienstgrenze. Wer profitiert? Sicher nicht die Frau, denn das kann in einer patriarchal organisierten und strukturierten Gesellschaftsformation, die überdies auch noch den Regeln des heiligen Kapitals folgt, nicht sein. Die Profiteure heißen PolitikerInnen und ArbeitgeberInnen. Die ersteren locken die Frauen in die Falle, "weil wir Kinder brauchen für unsere Pensionen", was sie so natürlich nicht sagen. Die anderen treffen zwei Fliegen mit einem Schlag: Zuverdienerinnen belasten ihr Budget nicht übermäßig, bleiben der Firma treu und sind schnell abrufbar.

So süß ist Telearbeit nicht

Die Gefahr bei vielen Jobs der technologisierten Arbeitswelt sind die wie süßeste Zuckerl angepriesenen Telejobs. Frauen sollten sich überdies bei allem in acht nehmen, was zuckersüß und klebrig an sie verteilt werden soll. Süßes hinterlässt - wie in diesem Fall - unverträgliche Nebenwirkungen. Beworben wird diese Art von Job vielleicht mit dem Slogan: "In einer Hand die Maus, in der anderen das Baby", in den eigenen vier Wänden, nah beim Kind. Und trotzdem ökonomisch unabhängig. Klingt ja gut, ist aber vollkommen unrealistisch. Dagegen steht die Wirklichkeit mit Dreifachbelastung, Stress, Isolation, Frust und im schlimmsten Fall Job auf Abruf. Und reich wird frau auf diese Art sicher nicht. (dabu)

29.01.2002
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