Enron spendete an britische Labour und Konservative

29. Jänner 2002, 15:51
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Collins: "Bedaure Geld angenommen zu haben"

London - Der in Konkurs gegangene US-Energiekonzern Enron hat in Großbritannien sowohl an die regierende Labour Party als auch an die oppositionellen Konservativen Geld gespendet, um Zugang zu Politikern zu bekommen. Dies räumte der frühere Europa-Chef von Enron, Ralph Hodge, am Montagabend im britischen Fernsehen BBC ein. Während die Konservativen durch ihren Vize-Geschäftsführer Tim Collins "bedauerten", eine Enron-Spende von 25.000 Pfund (41.000 Euro) angenommen zu haben, bestritt ein Regierungssprecher, das "Sponsoring" von Labour- Veranstaltungen durch Enron im Wert von 36.000 Pfund (59.000 Euro) habe irgendetwas mit zwei energiepolitischen Kurswenden der Regierung zu tun.

Einer Aufstellung von Downing Street 10 zufolge gab es zwischen 1998 und 2000 sieben Treffen zwischen Enron-Spitzenmanagern und Ministern oder Staatssekretären der Blair-Regierung. Der Premierminister selbst habe nicht zu den Gesprächspartnern gehört. Hodge wurde 2001 auf Vorschlag der Regierung mit dem Orden "Commander Of The British Empire" ausgezeichnet.

Nichts "Anrüchiges"

"Bargeld für politischen Zugang? Nein", sagte Hodge der BBC. "Aber es gab den Wunsch, sich mit Ministern und Abgeordneten zu treffen, und das Sponsoring von Veranstaltungen wurde in dieser Beziehung als hilfreich betrachtet", sagte er. Während der Kontakte mit Enron gab die britische Regierung ihren Widerstand gegen die Übernahme des Unternehmens für Wasserversorgung Wessex Water durch Enron auf und hob auch ein Moratorium für die Genehmigung neuer Gaskraftwerke auf. Ein Regierungssprecher sagte, an den Gesprächen mit dem Energieunternehmen sei "nichts Anrüchiges".

Der stellvertretende Geschäftsführer der Konservativen, Tim Collins, sagte: "Ich bedauere die Tatsache, dass wir Geld von Enron angenommen haben. Angesichts dessen, was wir heute über die Firma wissen, wünschte ich, wir hätten das Geld abgelehnt." Enron hatte auch einen führenden konservativen Politiker, Lord Wakeham, als Mitglied des Aufsichtsrates eingestellt.

Rolle von Blair

Einem Bericht des "Guardian" zufolge hat ein Regierungssprecher bestritten, dass die Änderung der Energiepolitik irgendetwas mit den Spenden an Labour oder den Gesprächen mit den Enron-Vertretern zu tun gehabt habe. Dem Blatt liege jedoch ein interner Vermerk eines Enron- Direktors vor, wonach die britische Regierung keineswegs beabsichtigt habe, das Moratorium bei der Genehmigung von Gaskraftwerken aufzuheben.

Der Geschäftsführer der Konservativen, David Davis, forderte eine Aufklärung im Parlament. "Die Frage ist, ob Tony Blair von den Kontakten seiner Minister zu Enron-Bossen wusste und ob er eingriff, um eine Veränderung der Politik zu bewirken. Der Premierminister muss die Wahrheit über diese ganze Affäre und vor allem über seine eigene Rolle dabei sagen." (APA/dpa)

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