Tourismus weltweit erstmals seit 20 Jahren rückläufig

29. Jänner 2002, 15:28
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Erholung 2002 erwartet - Hauptursache für Rückgang waren die Terroranschläge vom 11. September

Madrid - Die Wachstumsbranche Tourismus hat erstmals seit fast 20 Jahren weltweit einen Rückschlag erlitten. Die Zahl der Touristen in aller Welt sank im Jahr 2001 auf 689 Millionen, 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Hauptursache seien die Terroranschläge vom 11. September in den USA gewesen, teilte die Welttourismusorganisation (WTO) am Dienstag in ihrer Jahresbilanz in Madrid mit. Es werde erwartet, dass die Reisebranche im zweiten Halbjahr 2002 wieder auf ihre "gewohnten Wachstumsraten" komme.

"Die tragischen Ereignisse vom 11. September hatten in allen Teilen der Welt Auswirkungen auf den Tourismus", sagte WTO-Generalsekretär Francesco Frangialli. "Allerdings gab es vorher bereits Anzeichen für eine Abkühlung der Konjunktur." Von Januar bis August 2001 habe die Branche noch ein Wachstum von drei Prozent erzielt. Im Rest des Jahres sei dann aber die Zahl der Touristen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um elf Prozent gesunken. "Die Monate September, Oktober und November waren ein Desaster für den Tourismus in aller Welt."

20-jährige Wachstumsära zu End

Für die Reisebranche ging damit eine fast 20-jährige Ära ununterbrochenen Wachstums zu Ende. Zuletzt hatte es 1982 einen Rückgang von damals 0,4 Prozent gegeben. Selbst in Zeiten des Golfkriegs Anfang der 90er Jahre legte der Tourismus zu. Im Jahr 2000 betrug das Wachstum gar 7,4 Prozent.

In den vergangenen Monaten vollzog sich nach Angaben der WTO ein "dramatischer Wandel" bei den Reisegewohnheiten. Zahllose Urlauber seien vom Flugzeug auf das Auto oder die Bahn umgestiegen und verbrächten ihre Ferien in weniger weit entfernten Gebieten. Der Reisebranche gehe es nicht so schlecht, wie die Zahlen glauben machten; denn die Inlandsurlauber würden von der internationalen Statistik nicht erfasst.

Großbritannien verliert am stärksten

In Europa sanken die Touristenzahlen 2001 nach Angaben der WTO vor allem in Großbritannien (minus 6,6 Prozent), Deutschland (minus 5,5) und Italien (minus 5,0). Demgegenüber erzielten Länder wie Bulgarien mit plus 14,4 Prozent, die Slowakei (13,0), die Türkei und Kroatien (jeweils 12,4) spektakuläre Zuwächse.

Frankreich behauptete sich mit 76,5 Millionen Touristen (plus 1,2 Prozent) als das beliebteste Urlaubsland der Welt vor Spanien (49,5 Millionen/plus 3,4) und den USA (44,5 Millionen/minus 12,6). Neben den USA verzeichneten auch Länder wie Israel (minus 50 Prozent), Ägypten (minus 15,6) oder Argentinien (minus 8,9) einen drastischen Rückgang der Urlauberzahlen.

"Die Aussichten der weltweiten Reisebranche für die kommenden Osterferien und die Sommersaison sind günstig", sagte der WTO-Generalsekretär. "Das Resultat hängt jedoch in erster Linie davon ab, ob die Weltwirtschaft sich wieder erholt."(APA/dpa)

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