Capital Invest: 2002, das Jahr der Corporate Bonds

29. Jänner 2002, 13:49
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Zinsspreads der Unternehmensanleihen nahe den Rekordhochs

Wien - Starkes Aufholpotenzial sehen die Anleihenexperten der Capital Invest im Bereich der Unternehmensanleihen. 2002 wird das "Jahr der Corporate Bonds", gab sich der Capital Invest-Experte Andreas Schuster bei einer Veranstaltung der Bank Austria-Fondsgesellschaft am Montag überzeugt. Die in Euro begebene Unternehmensanleihen hoher Bonität (Investment Grade) sind mit einem Volumen von 296 Mrd. Euro noch deutlich von jenem der Staatsanleihen (2.606 Mrd.) entfernt, seit der Euro-Einführung 1999 sei das Emissionsvolumen aber "regelrecht explodiert". Gerade Unternehmensanleihen sollten zudem besonders stark von einer erwarteten zyklischen Konjunkturerholung profitieren.

Schuster verweist auf das historische Beispiel der letzten US-Rezession in den Jahren 1990 und 1991. Unternehmensanleihen haben hier einen Zinsaufschlag zu Staatsanleihen von bis über 250 Basispunkten aufgewiesen, mit der Konjunkturerholung seien die Spreads bis 1995 auf ein Niveau gegen 100 Basispunkte gesunken und die Anleihennotierungen vice versa deutlich gestiegen. Eine ähnliche Entwicklung sei nun mit der sich abzeichnenden Erholung der Weltwirtschaft zu erwarten, der Einstiegszeitpunkt sei damit günstig.

Hohe Renditeniveaus realisierbar

Auch derzeit seien angesichts der Konjunkturschwäche hohe Renditeniveaus realisierbar, die Spreads im Investment Grade-Bereich reichen von 25 Basispunkten bei Triple-A-Schuldnern bis 150 Basispunkten bei Emittenten mit BBB-Rating und notieren damit nahe ihren Rekordhochs. Die im Vergleich zu Staatsanleihen besseren Renditen seien zwar mit höherem Risiko verbunden, ein Studie über einen Zeitraum von 1983 bis 1998 habe aber gezeigt, dass von 100 mit BBB gerateten Unternehmen, nur vier ihre Schulden tatsächlich nicht vollständig bedienen konnten.

"Das heißt, dass 96 Firmen eine Risikoprämie zahlen, die vereinnahmt werden kann", rechnet der Capital Invest-Experte Volker Steinberger vor. Aus Branchensicht empfiehlt sein Kollege Schuster vor allem Papiere der nicht zyklischen Konsumgüterindustrie und Anleihen von Banken und Versicherern, von Telekomanleihen rät der Experte vorerst ab.

Der Ausblick für hochverzinsliche High Yield-Anleihen von Unternehmen niedrigerer Bonität sei ebenfalls positiv. Die extreme Volatilität nach den Ereignissen vom 11. September hätten den Marktausblick nicht nachhaltig belastet, gab sich der Goldman Sachs-Fondsmanager des Capital Invest-Fonds "High Yield Bond" Michael Pasternak optimistisch. Auch die Argentinien-Krise habe nicht auf die Papiere anderer Schwellenländer übergegriffen. Merkliche Effekte erwartet Pasternak hingegen von der Enron-Pleite, hier dürfte in Folge eine Migration zu Emittenten höherer Bonität einsetzen. Insgesamt seien die Risikoprämien auch im High Yield-Bereich derzeit außergewöhnlich hoch, der Ausblick sei aber nicht ganz so positiv wie 1990 bis 1993.(APA)

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    foto: photodisc
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