Landesauszeichnungen für Theologin, Biochemiker und Materialforscher

29. Jänner 2002, 18:49
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Graz - Die drei höchsten Forschungspreise der Steiermark sind am Dienstag in Graz verliehen worden. Den Hauptpreis erhielt der Grazer Biochemiker Peter Holzer für seine Studie über die Bedeutung der sensiblen Magennerven bei drohender Übersäuerung des Organismus. Mit dem Erzherzog-Johann-Preis wurde die Theologin Michaela Kronthaler für ihre Studie zur Rolle von Frauen in der Kirchengeschichte ausgezeichnet. Der Leobener Materialwissenschafter Peter Supancic erhielt den Förderungspreis für seine Qualitätsanalyse von Kaltleiterbauteilen. Die Preise sind mit je 10.900 Euro (150.000 Schilling) dotiert.

Die Frage, wie sich der Magen vor Erkrankungen schützen kann, war Ausgangspunkt für den Biologen und Biochemiker Peter Holzer vom Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Universität Graz. Im Magen wird ja mit Hilfe von aggressiven Säuren und Peptiden die Nahrung verdaut - so dass sich dieses Organ nicht nur vor diesem aggressiven Magensaft, sondern auch vor Infektionserregern wie Helicobacter pylori sowie schleimhautschädigenden Nahrungskomponenten wie Alkohol zu schützen muss. Aus diesem Grund ist der Magen mit einer Reihe von Überwachungssystemen ausgestattet, zu denen insbesondere sensible Nerven zählen. Holzers jüngste Arbeiten konnten nun zeigen, wie das "Notfallsystem" der Magennerven bei der Störung der Magenschleimhaut reagiert.

Den Erzherzog-Johann-Forschungspreis erhält Michaela Kronthaler vom Grazer Institut für Kirchengeschichte und Kirchliche Zeitgeschichte für ihre Arbeit "Prägende Frauen der steirischen Kirchengeschichte". Die 33-jährige Theologin untersuchte das Wirken von mehr als 130 kirchlich geprägter Frauenbiografien vom Mittelalter bis zur Gegenwart: Dargestellt werden die Lebensverläufe von Klosterstifterinnen, Einsiedlerinnen, Ordensgründerinnen und Wohltäterinnen bis zu Opern des Hexenwahns.

Der Leobener Materialwissenschafter Peter Supancic bekam den Förderungspreis. Der Wissenschafter am Institut für Struktur- und Funktionskeramik erhielt die Auszeichnung für seine Funktionsanalyse von Kaltleiter-Bauteilen zuerkannt. Kaltleiter-Bauteile sich als elektrokeramische Steuer-, Mess- und Schutzelemente in fast allen Schaltkreisen wie zum Beispiel Haushaltsgeräten und Computern. Sie weisen allerdings eine Schwäche auf: Sie sind spröde und brechen bei Überbelastung - beispielsweise wegen raschen Temperaturwechsels - ohne erkennbare Vorzeichen. Um diese Bauteile zu verbessern, ist die Kenntnis des Materialverhaltens und hier vor allem bei maximalen Belastungen notwendig. Mit Hilfe von Experimenten und der Computer-Simulation ist es Supancic gelungen, die Funktion bis zum Versagen von Kaltleitern erstmals vollständig zu analysieren. Die Ergebnisse führten daraufhin zu einer verbesserten Prüftechnik, so dass nun neue industrietaugliche Qualitätstests entwickelt werden können. (APA)

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