150 Lkw-Lenker in Luxemburg "gestrandet"

29. Jänner 2002, 13:00
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Luxemburger Gewerkschaft organisiert Unterbringung und Verpflegung - "Humanitäre Katastrophe"

Die menschliche Tragödie hinter dem offenbar skandalösen Frächter-Netzwerk rund um eine im westlichen Niederösterreich ansässige Unternehmensgruppe: Laut Angaben des Luxemburger Gewerkschaftsbundes sind bereits rund 150 Lkw-Lenker der Firmen mit ihren Wagen in Luxemburg "gestrandet". Sie wurden dorthin aus Lothringen (Frankreich) umgeleitet. Caritas und Rotes Kreuz kümmern sich um die zum größten Teil aus osteuropäischen Ländern stammenden Lkw-Fahrer. "Sie haben zum Teil seit drei Monaten kein Geld mehr bekommen. Wir organisieren Unterkunft und Verpflegung", erklärte der Zentralsekretär der Sektion Transport des Luxemburger Gewerkschaftsbundes (OGB-L), Hubert Hollerich.

"Auffanglager"

"Die Fahrer sammeln sich hier. Als Auffanglager dient in Luxemburg das Park & Ride-Gelände Luxemburg Süd. Bisher sind 150 Fahrer der Transportfirma bei uns eingetroffen. Wir sind dabei, Unterkünfte zu suchen. Viele von ihnen haben seit drei Monaten keinen Lohn erhalten und sind zum Teil buchstäblich ausgehungert", sagte Hollerich.

Die Odyssee der Lkw-Fahrer hatte diese laut den Angaben des Gewerkschafters zunächst in das kleine lothringische Dorf Tucquegnieux geführt: "Dort sitzt ein Disponent des Unternehmens. Nach den Razzien der Behörden hat er die Fahrer mit den Lkw in diesen Ort beordert. Die kleine Gemeinde wurde plötzlich von den Lastwagen überrollt. Weil das Transportunternehmen seinen Firmensitz in Luxemburg (Esch-sur-Alzette, Anm.) hat, meldete sich der Bürgermeister bei uns."

Konten des Unternehmens wurden gesperrt

So wurden die Lkw-Lenker mit ihren Fahrzeugen schließlich nach Luxemburg "umgeleitet". Hollerich: "Wir arbeiten hier mit der Caritas und dem Roten Kreuz zusammen. Rund 60 Fahrer konnten im Bildungszentrum der Arbeiterkammer in Remich untergebracht werden. Weitere 50 wurden im Zentrum des Roten Kreuzes in Berg/Betzdorf aufgenommen."

Der Gewerkschaftsfunktionär weiter: "Mehr als 100 weitere Lkw-Lenker sind derzeit nach Luxemburg unterwegs. Einige sind aber auch auf der Fahrt hierher hängen geblieben, weil ihnen der Treibstoff ausging." Weil die Konten des Unternehmens gesperrt worden seien, könnten die Betroffenen auch nicht auf Geld hoffen.

Die Teilorganisation der Luxemburger Arbeitnehmervertretung bezeichnete am Sonntag die Machenschaften der Betreiber des Frachtnetzwerkes mit der Beschäftigung von Lkw-Lenkern für Billigstlöhne als "moderne Sklaverei", die "jetzt auch noch in einer humanitären Katastrophe" ende. Für Montag (15.00 Uhr) wurde von der Gewerkschaft eine Pressekonferenz in ihrem Büro in Esch-sur-Alzette (60, Boulevard Kennedy) anberaumt. (APA)

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