Superrechner der Animationsfirmen lassen Rüstungsbetriebe vor Neid erblassen

29. Jänner 2002, 18:11
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Für "Die Monster AG" wurde mehr Computer-Kapazität benötigt als für alle drei vorherigen Pixar-Hits zusammen

Wenn der Zeichenkünstler Rob Gibbs in der Animations-Hochburg Pixar davon redet, dass er "wie in den guten alten Tagen immer noch mit Bleistift und Papier" arbeitet, möchte man es ihm nicht so recht glauben. Schließlich sind die Pixar-Studios bei San Francisco mit einem Supercomputer ausgestattet, der viele Rüstungsbetriebe vor Neid erblassen lässt. Rund 600 Menschen arbeiten in dem neuen, riesigen Gebäude, das 880 Millionen Dollar (923 Mill. Euro/12,71 Mrd. S) gekostet hat. Das digitale Mekka, das Apple- Computer-Gründer Steve Jobs vor 15 Jahren von Lucasfilm abkaufte, hat die Zeichentrickwelt mit seinen dreidimensionalen Hits "Toy Story" und "Das große Krabbeln" revolutioniert.

50-fache Rechenkapazität

Mit dem neuesten Animationsfilm "Die Monster AG" hat Pixar die Zeichentrick- Latte erneut höher gehängt. Das haarige Monster Sulley, von Beruf Kinderschreck, hat über drei Millionen Haare in seinem flauschigen Pelz. "Das war nur möglich, weil Pixar jetzt die fünfzigfache Computerkraft besitzt, verglichen mit 'Toy Story' vor sechs Jahren", erklärt Technik-Chef Thomas Porter.

Der Weg zum "Computerhirn"

Der Weg zum "Computerhirn" von Pixar führt zunächst durch eine bunte Cartoon-Welt. Was immer die Kreativität anregt - Aquarien, lebensgroße Papp-Figuren, Roller, Tischtennisplatten oder bequeme Schlafsofas - ist in den Büros und Fluren zu finden. In dem überdimensionalen Spielzeugladen ist alles erlaubt. Selbst Pixars Vize-Präsident John Lasseter lädt in dem High-Tech-Kino dazu ein, "ruhig die Füße auf die Sitze zu legen".

Fünf Jahre Arbeit

Doch hinter der lockeren Fassade verbirgt sich harte Arbeit. Fünf Jahre brauchte das Team von 35 Animatoren, um "Die Monster AG" auf die Leinwand zu bringen. Drei Jahre bastelten Regisseur Pete Docter und Zeichenkünstler Rob Gibbs an der Geschichte von Mike und Sulley, die als Kinderschreck bei der Monster AG arbeiten, wo aus den Schreien der Kinder Strom erzeugt wird.

Zeichnen und Programmieren

Wie zu Zeiten von Walt Disney landeten Tausende von handgezeichneten Story Boards im Papierkorb, bevor die Cartoon- Figuren einen Computer erblickten. Gleichzeitig tüftelten die Software-Freaks an neuen Programmen. Animator Glenn McQueen saß allein drei Wochen an einer 15-Sekunden-Szene, in der die Monster- Kumpel durch eine komplexe, dreidimensionale Welt zur Arbeit laufen. Und um den einäugigen grünen Mike zum Lachen zu bringen, mussten 18 "Gesichts-Muskeln" bewegt werden.

400 Milliarden Kalkulationen pro Sekunde

In der "Renderfarm", einem rund um die Uhr bewachten Raum mit 250 Computern und 3.500 Mikroprozessoren, laufen sämtliche Informationen ein. 400 Milliarden Kalkulationen pro Sekunde seien hier möglich, erklärt Manager Peter Kaldis. Anschaulicher gesagt: Für "Die Monster AG" wurde mehr Computer-Kapazität benötigt als für alle drei vorherigen Pixar-Hits "Toy Story", "Toy Story 2" und "Das Große Krabbeln" zusammen.

Echte Schauspieler aus dem Rechner

Nach seiner bahnbrechenden Arbeit mit den haarigen Monstern denkt Porter bereits weit in die Zukunft. Er ist fest davon überzeugt, dass zunehmend echte Schauspieler in dreidimensionalen Zeichentrickfilmen zu sehen sein werden. "In 'Final Fantasy' sahen die Leute zwar echt aus, aber sie reichten bei weitem nicht an Jack Nicholson oder Humphrey Bogart heran. Top-Animation und gute Rollen für diese Leute, das wird mindestens noch 10 bis 20 Jahre dauern." (Von Barbara Munker/dpa/APA)

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