Ein Drittel der Intensiv-Patienten mit Sepsis

30. Jänner 2002, 13:04
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Gute Erfahrungen mit neuer Behandlungsstrategie

San Diego - Durchwegs positive Erfahrungen mit der neuen Substanz Aktiviertes Protein C ("Xigris") für die Therapie der Sepsis (schwere Blutvergiftung) berichteten die Mediziner am 31. Kongress der Gesellschaft für Intensivmedizin in San Diego in Kalifornien. Auch ein österreichischer Internist, Univ. Prof. Dr. Christoph Wenisch von der Abteilung für Infektiologie, Medizinische Universitätsklinik in Graz, der mit seiner Arbeitsgruppe an einer klinischen Studie (Enhance-Studie) mit dem neuen Präparat teilnimmt, meinte: "Bisher gab es keine Komplikationen."

In den USA ist "Xigris" bereits am Markt, in Österreich wird es im Laufe dieses Jahres soweit sein. Wenisch, der acht Patienten mit der Substanz behandelte, ist der Meinung, dieses Medikament bei der Therapie so früh wie möglich einzusetzen. "Früher hat man bei einer Infektion zunächst versucht, zuerst das eine, dann das nächste Antibiotikum auszuprobieren", erklärte Wenisch. "Doch heute setzt man die 'Megabomben' einer großen Breite von Antibiotika ein. Und wenn ich merke, dass es gut wird, dann reduziere ich auf das Notwendigste", sagte der Mediziner. Laut dem Grazer Spezialisten sollten zur Beherrschung solcher lebensgefährlicher Komplikationen einer Infektion alle Therapiemöglichkeiten eingesetzt werden, die zur Verfügung stehen.

Die Behandlung einer Sepsis sei eine sehr aufwändige, erklärte Prim. Dr. Friedrich Marian, von der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin im Krankenhaus Mistelbach. Denn es sei nicht nur eine Behandlung der Infektion, sondern auch eine Behandlung der Folgen. "Und wenn es jetzt ein Medikament gibt, das diese Behandlung verbessert und es auch hält, was es verspricht, dann ist es eine große Bereicherung", so Marian.

Das Medikament mit "Aktiviertem Protein C" als Wirkstoff würde aber die kausale Therapie der Sepsis, wie die Antibiotika-Behandlung oder eventuell sogar eine Operation, nicht ersetzen, erklärte Wenisch. "Es ist aber eine unterstützende Therapie." Erfreulich sei für den Mediziner die guten Erfolge bei Patienten mit Lungenentzündung. "Da gab es bei der Studie, die im vergangenen Jahr in Washington veröffentlicht wurde, eine absolute Reduktion der Mortalität (Sterblichkeit, Anm.) von 8,8 Prozent." (APA)

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