Kampf gegen Beschneidung

28. Jänner 2002, 19:35
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Deutscher organisierte Konferenz mit Muslimen in der Wüste

Nairobi - Schockierende Filmdokumente über Frauenbeschneidungen im Gepäck, zieht der deutsche Menschenrechtler und Abenteurer Rüdiger Nehberg derzeit mit einer Kamel-Karawane in den Kampf gegen dieses grausame Ritual. Auf einer Konferenz in der äthiopischen Danakil-Wüste will der 66-Jährige mor-gen, Mittwoch, religiöse und politische Führer Äthiopiens auf seine Seite bringen.

Säuglinge verstümmelt

"In dem abgelegenen Gebiet des Afar-Volks werden Mädchen jeden Alters verstümmelt - sogar vier Wochen alte Säuglinge", weiß Nehberg. Er selbst kam durch die Lektüre des Buches "Wüstenblume" von Waris Dirie aus Somalia auf das Thema.

Das heutige Topmodel wurde im Alter von fünf Jahren selbst beschnitten. Inzwischen kämpft sie als UN-Sonderbotschafterin gegen die Beschneidung, die laut Schätzungen alle 15 Sekunden ein Mädchen oder eine Frau über sich ergehen lassen muss. Mit nicht sterilen Rasierklingen, Messern oder Glasscherben werden den Opfern ohne Betäubung die Klitoris und - je nach Stamm - auch Schamlippen und ein Teil der Vagina entfernt. Viele sterben unmittelbar an den Entzündungen oder durch Blutverlust.

Während Frauenrechtlerin- nen diese Barbarei als Macht-und Kontrollmittel der Männer sowie Grundlage für deren Polygamie benannt haben, verweisen viele Verfechter der Beschneidung fälschlicherweise auf den Islam. Genitalverstümmelungen sind vor allem in islamisch geprägten Regionen üblich.

Nehberg will, wie er sagt, "mit dem falschen Glauben aufräumen, dass, wie so oft behauptet, der Koran oder die Überlieferungen Muhammads die Aufforderung zur Beschneidung enthalten."

Hoch gestecktes Ziel

Die Vorbereitungen für die Konferenz hat er daher mit dem Zentralrat der Muslime in Deutschland und dem 83 Jahre alten äthiopischen Sultan Ali Mirah Hanfary getroffen, einem Gegner der Beschneidung. 58 religiöse und politische Führer des Afar-Volks sowie 30 Frauen haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.

Nehbergs hoch gestecktes Ziel ist: "Der gemeinsame Schwur, Frauenverstümmelung zur Gottesanmaßung und Diskriminierung des Islams zu erklären und bei Allah zu geloben, den Brauch sofort zu beenden." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 1. 2002)

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