Heiße und kalte Wickel für Adonis

28. Jänner 2002, 19:30
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Telekom Austria und Telecom Italia streiten um Blaulicht-Funknetz

- Zwischen den beiden Großaktionären der Telekom Austria (TA), der Telecom Italia (29,8 Prozent) und der Staatsholding ÖIAG (47,8 Prozent), herrscht wieder einmal Eiszeit. Der Grund ist Adonis, das Funknetz für Österreichs Blaulicht-Organisationen, um dessen Zuschlag sich die TA bewirbt.

Die Italiener wollen dieses 240 Millionen Euro (3,3 Milliarden Schilling) schwere Investment nicht mittragen und haben im TA-Finanzausschuss am vergangenen Mittwoch ein Veto eingelegt. Dem Vernehmen nach will die TA 55 Mio. EURO aus eigener Kraft finanzieren, der Rest soll vom Konsortialpartner und den Banken kommen.

Hintergrund der Blockade ist freilich, dass Telecom Italia (TI) unmittelbar vor dem angekündigten Rückzug aus Österreich kein Geld mehr in die TA investieren will.

Gemeinsam mit Walky Talky Telecom

Wie berichtet, will sich die TA-Gruppe mit der burgenländischen Walky Talky Telecom, an der die TA über ihre Datendiensttochter Datakom 49 Prozent hält, um den Adonis-Bündelfunk bewerben. Die Mehrheit von Walky Talky gehört der Wirtschaftsservice Burgenland AG (Wibag).

Insider gehen davon aus, dass die TA die Mehrheit übernimmt, falls Walky Talky den Auftrag an Land zieht und die Konkurrenten Mastertalk (Siemens und Wienstrom) und Tetratel (Austro Control, Kapsch und Motorola) leer ausgehen. Man sei offen für weitere Konsortialpartner, sagte TA-Chef Heinz Sundt. Die Ausschreibungsfrist endet am 4. Februar.

Streit ums Geld

Das Veto der Italiener kommt nicht überraschend, denn erstens war TI immer gegen das Walky-Talky-Engagement, und zweitens stößt das Betreibermodell des Innenministeriums bei allen Konsortien auf Skepsis. Bau und Betrieb des Bündelfunk-Netzes würden sich nur rechnen, wenn Adonis auch für kommerzielle Dienste geöffnet würde, heißt es. Das sei derzeit aber untersagt, das ausfallsichere Notruffunknetz wurde nur für 25.000 Nutzer konzipiert. "Das rechnet sich nur, wenn die Republik Subventionen gibt", sagte ein Bewerber zum STANDARD. "Sicherheit gibt's nicht gratis." Eine Alternative wäre, dass sich die Bundesländer an der Betreiberfirma beteiligen.

Letzte Hoffnung knüpft die TA nun an die Aufsichtsratssitzung am Donnerstag, bei der der Sicherheitsfunk für Polizei, Rettung, Feuerwehr und Katastrophendienste erneut auf der Tagesordnung steht. "Es würde genügen, wenn Telecom Italia nicht dagegen stimmt", heißt es. Denn Adonis wäre eine wichtige Wertsteigerung für die TA. (ung - Der Standard Printausgabe)

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