Ein Jet nach nirgendwo - Von Luise Ungerboeck

28. Jänner 2002, 19:21
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Gedacht war der rote Flügel als Symbol für Schnelligkeit und Innovationskraft. Der Jet sollte die vom Postmonopol frustrierten Kunden blitzschnell in eine wunderbare multimediale Zukunft fliegen und das altmodische gelbe Posthorn der ehemaligen Telegraphenverwaltung vergessen machen. Da störte es nicht, dass schon bei der Präsentation der neuen Dachmarke im Juni 2000 das große Kopfschütteln ausbrach.

Weder stand die im Werbespot angeführte Super-8-Kamera tatsächlich für den letzten Technologieschrei, noch eignete sich das in einer Nacht- und Nebelaktion kreierte Kunstprodukt für Österreichs größten Telekomkonzern. Im Gegenteil: Markenexperten attestierten damals, dass Jet2Web bestenfalls zum Image einer Hightechgarage passe, niemals aber die Spitzenunternehmen der Telekom-Austria-Gruppe repräsentiere. Dazu fehlten die seriöse Ausstrahlung, so das Urteil des Instituts für Markentechnik.

Alles erlaubt

Vor dem Börsengang war aber offenbar (fast) alles erlaubt, denn der Schöpfer des Posthorn-Ersatzes taufte gleich zwei Telekomtöchter auf den neuen Namen. Zur totalen Verwirrung vieler Kunden, denn die wussten weder, wie man Jet2Web richtig ausspricht, noch, wer damit gemeint war - die Festnetz-Mutter oder doch nur die Online-Tochter?

Die nach eineinhalb Jahren des Herumdokterns nun eingeleitete Rückbesinnung auf die gute, alte - nie abgeschaffte - Marke Telekom Austria kommt nicht nur spät, sondern vor allem teuer. Imagekampagnen und neue Drucksorten haben mehrere Hundert Millionen Schilling verschlungen. Für einen harten Schnitt fehlt offenbar dennoch der Mut. Ehe man den ungeliebten Jet2Web zurück ins Internet schickt, sollte wenigstens klar sein, wohin die Reise geht. (DER STANDARD, Printausgabe 29.1.2002)

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