Tourismus: Zehn Prozent arbeiten schwarz

29. Jänner 2002, 11:33
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Gewerkschafter Kaske: Arbeitsinspektorat hoffnungslos überfordert - Vor allem Grenzregionen betroffen

Wien - Nicht nur - wie aktuell diskutiert - im Frächtergewerbe, auch im Hotel- und Gastgewerbe stelle die Schwarzarbeit und damit einhergehender "Sozialbetrug" ein ernstes Problem dar, dem der ÖGB heuer eine eigene Kampagne und mehrere Aktionen widmen werde, sagte Rudolf Kaske, Vorsitzender der Tourismusgewerkschaft HGPD, am Montag auf einer Pressekonferenz.

Betroffen seien vor allem die Grenzregionen zu den mittel- und osteuropäischen Nachbarn und hier vor allem niedrig qualifizierte Berufe wie Küchenhilfspersonal oder Beschäftigte bei Reinigungsfirmen, sagte Kaske. Von den rund 150.000 Beschäftigten im Tourismus würden hierzulande wahrscheinlich zehn Prozent oder 15.000 Menschen illegal beschäftigt.

Das Problem werde durch den Umstand verschärft, dass die Ausländerbeschäftigung im Tourismus stark gestiegen sei, im Jahr 2001 um 5,7 Prozent auf 40.040 Personen. Darüber hinaus wurde das Ausländer-Saisonierkontingent von 2000 im Winter 1998/99 auf nunmehr 8850 Plätze mehr als vervierfacht. Aus beiden "Gruppen" würde ein beachtlicher Prozentsatz an Beschäftigten "schwarzarbeitend" in Österreich bleiben, selbst wenn die Arbeitsbewilligung auslaufe oder die Saison zu Ende sei, sagte Kaske.

Kaum Kontrollen

Das zuständige Arbeitsinspektorat sei hoffnungslos überfordert. In Bayern wären 400 bis 500 Beamte zur Aufdeckung des organisierten Schwarzunternehmertums im Einsatz, in Österreich nicht einmal die Hälfte. Außerdem seien den dort beschäftigten Beamten trotz Mehrarbeit die Überstunden gestrichen worden, wodurch Kontrollen gerade im Tourismus extrem schwierig würden.

Generell sei 2001 die Zahl der Arbeitslosen im Tourismus um 1,3 Prozent auf durchschnittlich 29.671 Betroffene gestiegen - am stärksten in Wien. Den Plan von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein einer Ausweitung der täglichen Normalarbeitszeit von zehn auf zwölf Stunden kritisierte Kaske scharf. Hier gehe es schlicht um "Lohnräuberei" bei den Überstunden. Die Kollektivvertragslöhne im Tourismus liegen laut Kaske um 31 Prozent unter dem Österreich-Durchschnitt. Außerdem sei das Trinkgeld seit der Euroeinführung spürbar zurückgegangen. (miba, DER STANDARD, Printausgabe 29.1.2002)

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