Einmal Sapporo und retour: Dreißig Jahre Trixi Schuba

1. Februar 2002, 13:12
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Vor dreißig Jahren in Sapporo hat Trixi Schuba olympisches Gold geholt. Diesmal läuft keine Österreicherin kunst

Wien - "Ich hab' beinah aufpassen müssen, dass ich nicht mit faulen Eiern beworfen werde." Es waren schon verschranzte Tage im Jahr 1972, die Volksseele kochte, und österreichische Sportler wie Trixi Schuba, die nicht aus lauter Solidarität mit dem Skihelden ebenfalls vorzeitig heimgereist waren, hatten es nicht leicht bei der Heimkehr, die olympische Goldmedaille, die Schuba um den Hals hing, erschwerte die Sache eher. Die weltbeste Eiskunstläuferin also wurde in Wien kaum willkommen geheißen, der Linzer Sportjournalist Leo Strasser hatte das schnell abgecheckt, Linz sprang ein, Schuba fuhr samt Familie im Sonderwagen hin und mit dem offenen Auto durch die Stadt. "Empfang hier, Empfang da, das war nett von den Linzern und sehr schön. Dabei bin ich eine echte Wienerin."

Bedauerte Julia

Julia Lautowa ist eine andere echte Wienerin. Sie ist vor knapp zehn Jahren als elfjähriges Talent aus Moskau gekommen, wurde eingebürgert, hatte in ihrer Karriere bis dato mehr Tiefen als Höhen, fing sich zuletzt wieder, erfüllte die internationale Norm und wurde immerhin EM-Elfte, um nun vom ÖOC, das den achten Platz verlangt hatte, nicht für die Winterspiele in Salt Lake City nominiert zu werden. Für Lautowa dürfte die Rumänin Roxana Luca ins olympische Teilnehmerfeld aufrücken, sie war bei der EM auf Rang 21 gelandet. Schuba, die dem Verband seit einigen Monaten die Pressearbeit checkt, um "etwas zurückzugeben", sagt: "Natürlich ist es bedauerlich, dass Julia daheim bleiben muss. Selbstverständlich wäre es für Österreich gut gewesen, bei Olympia vertreten zu sein."

Seiner- und zu Schubas Zeit war das Pflichtbewusstsein das größte österreichische Plus. Schuba hatte sich in der olympischen Pflicht, der die Juroren große Bedeutung beimaßen, einen solchen Vorsprung erarbeitet, dass sie Gold nicht mehr verlieren konnte. "Wir Österreicher waren sehr diszipliniert. Andere hatten mehr Temperament, uns hat die Pflicht einfach Spaß gemacht. Und wir hatten die Ruhe in den Füßen, um genaue Figuren und Kreise ins Eis zu zeichnen." Nach 1972 kam's zur so genannten "Lex Schuba", die Pflicht wurde abgewertet, im Lauf der Jahre verlor sie mehr und mehr an Bedeutung, heute ist längst die Kür der wichtigste Teil einer Konkurrenz.

In dreißig Jahren ist eine Drehung dazu gekommen. Lautowa muss die Palette schon dreifach draufhaben, Schuba zeigte alle Sprünge "nur" doppelt, in dieser Zeit begannen die Damen ganz langsam, über Dreifache nachzudenken. Der doppelte Axel war Schubas Angstsprung, oft und oft stürzte sie im Training, die rechte Hüfte war praktisch jahrelang blau, obwohl Schuba bald dazu überging, mit Schaumgummi in der Hose zu üben. In Sapporo konnte sie es sich leisten, den Doppel-Axel auszulassen, so groß war ihr Vorsprung. Leopold Linhart, Schubas Trainer beim WEV - ein strenger Herr, der aber nicht immer den Zeigefinger hob. "Er hat gesagt, du bist alt genug, du musst wissen, was du tust."

Was Lautowa betrifft, bleibt abzuwarten, wie sie die Enttäuschung verkraftet. Schuba sieht jedenfalls eine Zukunft fürs österreichische Eiskunstlaufen. Zuletzt hat sie sich die Juniorenmeisterschaften in Zell am See gegeben, mehr als dreißig Mädchen taten mit. "Es gibt Potenzial, es bestehen Möglichkeiten", sagt Trixi Schuba. (Fritz Neumann, Der Standard, Printausgabe, 29.01.02)

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    Julia Lautowa verpasste mit EM-Platz Zwölf die Nominierung ins Olympiateam

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