Verdacht: Flugzeugschrott als neue Ersatzteile verkauft

29. Jänner 2002, 15:16
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Italienische Firma könnte auch gefälscht zertifizierte Teile an American Airlines geliefert haben

Ein Skandal um die Wiederverwendung von Flugzeugersatzteilen zieht in Italien immer weitere Kreise. Sechs Personen befinden sich bereits in Haft, darunter der Inhaber der Firma Panaviation, Enzo Fregonese, dessen Tochter Patrizia und zwei Bedienstete der Fluggesellschaft Meridiana.

Die Staatsanwaltschaft von Tempio Pausania (Sardinien) hat in einem Hangar des römischen Flughafens Ciampino 80.000 Ersatzteile beschlagnahmt. Im Hafen von Neapel wurden drei für die USA bestimmte Container mit Ersatzteilen sichergestellt, in Fiumicino sechs zur Verschrottung bestimmte Airbus-300 der Fluggesellschaft Alitalia.

Der ermittelnde Staatsanwalt Renato Perinu beschuldigt Panaviation, in enger Zusammenarbeit mit den US-Firmen Dunbee und Mitchell alte Flugzeuge aufgekauft und Ersatzteile mit gefälschten Zertifikaten als neu verkauft zu haben. Auch Teile abgestürzter Maschinen seien wiederverwertet worden. Panaviation hat in den vergangenen Jahren zahlreiche ausrangierte Maschinen der jugoslawischen Fluggesellschaft Adria und der griechischen Olympic Airways übernommen. Derfür den Einkauf zuständige Experte der Fluggesellschaft Meridiana, Pietro Corrias, soll alte Ersatzteile gegen Schmiergeldzahlungen gekauft haben.

"Schwieriges Puzzle"

Paola Bonassi, die zuständigen Untersuchungsrichterin, sprach von einem "schwierigen Puzzle". Gefälschte Zertifikate und Rechnungen machten es schwierig, den Weg der Ersatzteile auf dem internationalen Markt zu verfolgen. Auf diesem Gebiet seien allein in den USA rund 2000 Vermittlerfirmen tätig. "Ein kaum durchschaubares Gewirr", wie es Bonassi nennt.

Sieben FBI-Experten hatten inzwischen Einsicht in die Ermittlungsdokumente. Panaviation belieferte auch die American Airlines mit Ersatzteilen. Die Ermittlungen konzentrieren sich jetzt auf zwei Flugzeugunglücke: auf den Absturz einer American-Airlines-Maschine im November auf New York (265 Tote, siehe Bericht rechts) und eine 1999 in Genua verunglückte Dornier 328. Sie war wegen Versagens der Bremsen ins Meer gestürzt, vier Menschen wurden getötet. (DER STANDARD, Print, 29.1.2002)

Standard-Korrespondent Gerhard Mumelter aus Rom
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