Erstmals Albaner wegen Kriegsverbrechen festgenommen

28. Jänner 2002, 17:31
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Beschuldigte waren Mitglieder der UCK-Militärpolizei

Pristina - Eine Spezialeinheit der internationalen Polizei im Kosovo hat erstmals zwei Albaner aus den Reihen der früheren UCK-Miliz wegen Kriegsverbrechen festgenommen. Maskierte und schwer bewaffnete Beamte stürmten deswegen am Montag Büros in Pristina und der Ortschaft Podujevo im Norden der von den Vereinten Nationen verwalteten Provinz. Die Männer würden beschuldigt, Zivilisten getötet zu haben haben, teilte die UNO-Polizei in Pristina mit.

"Die Festgenommenen stehen im Verdacht, vom September 1998 bis August 1999 Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung verübt zu haben", sagte UNO-Sprecher Andrea Angeli. "Die Opfer waren alle Kosovo-Albaner, die illegal verschleppt, physisch missbraucht und auch ermordet wurden", sagte er weiter. Die Beschuldigten hatten im Norden des Kosovo einer Einheit der schwarz uniformierten Militärpolizei der "Kosovo-Befreiungsarmee" (UCK) angehört.

Kriminelle Aktivitäten

Albanische Quellen im Kosovo erklärten, die Verhafteten seien die früheren Milizionäre Latif G. und Naim K. Einer der beiden sei jetzt Mitarbeiter der Demokratischen Partei Kosovos (PDK) des früheren Rebellenführers Hashim Thaci, der andere Beschäftigter der zivilen UCK-Nachfolgeorganisation Kosovo Schutzkorps (TMK). UN-Polizeisprecher Barry Fletcher sagte dazu, die Männer seien wegen krimineller Aktivitäten festgenommen worden. "Dies ist nicht gegen eine Organisation gerichtet, der sie angehört haben oder von der sie jetzt angestellt sind", sagte er.

Der scheidende Chef der UNO-Polizei im Kosovo, Christopher Albiston, hatte am Morgen erklärt, im Laufe dieses Jahres seien Festnahmen führender Krimineller im Kosovo zu erwarten. Er räumte ein, die Polizei sei bei der Verfolgung von Schlüsselfiguren der organisierten Kriminalität nicht sehr erfolgreich gewesen, sagte aber: "Wir haben im Verdeckten hart gearbeitet."

Es sei jetzt zu erwarten, dass Festnahmen auch zu Unruhe in der politischen Szene im Kosovo führten. Albiston sagte weiter: "Ich glaube, dass die Festnahmen (...) den politischen Führern Gelegenheit geben, ihre Unterstützung für die Herrschaft des Gesetzes, das Strafrechtssystem, ihre eigene Polizei und die Zukunft Kosovos zu demonstrieren." (APA/dpa)

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