"Kinder sind Gleichberechtigte"

28. Jänner 2002, 14:19
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Schwedens populärste Bürgerin kämpfte auch für Tierschutz, für menschliche Behandlung von Flüchtlingen und gegen zu hohe Steuern

Wien - Seit vielen Jahren führt sie unangefochten und haushoch die (Umfrage-)Liste nach der beliebtesten Persönlichkeit Schwedens an, sie wurde auch als populärste Schwedin des Jahrhunderts gekürt: Mit Klassikern wie "Pippi Langstrumpf" oder "Wir Kinder aus Bullerbü" hat Astrid Lindgren sich auch den Rang der weltweit beliebtesten Kinderbuchautorin erobert, deren Bücher in über 70 Sprachen übersetzt und in mehr als 120 Millionen Exemplaren in aller Welt verbreitet wurden. Im Alter von 94 Jahren ist sie nun in Stockholm gestorben.

Credo: "mit Kindern über alles reden"

Um Ruhm, Prestige und Geld geht es nicht in den Büchern der Mutter von Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Karlsson vom Dach, Michel aus Lönneberga oder Kalle Blomquist, sondern um die viel wichtigere Dinge im Leben nicht nur von Kindern: Liebe, Trauer, Tod, Abenteuer und Freiheit. "Man soll die Kinder als Gleichberechtigte behandeln und mit ihnen über alles sprechen" lautete ein Credo der Autorin.

"Villa Kunterbunt" in Lindgrens Heimatstadt Vimmerby

"Geborgenheit und Freiheit" in der eigenen Kindheit hat Astrid Lindgren als entscheidende Triebfeder ihrer schrifstellerischen Arbeit bezeichnet. Sie wurde am 14. November 1907 im Dörfchen Näs im Smaaland geboren und wuchs in der nahegelegenen Kleinstadt Vimmerby auf, wo Besucher heute einen Nachbau von "Villa Kunterbunt", Pippis verrücktem Haus, bewundern können. Aus der Bauerstochter Astrid Anna Emilia Ericsson wurde Anfang der vierziger Jahre die mit dem Chef eines Autoklubs verheiratete Sekretärin und zweifache Mutter Astrid Lindgren. 1944 veröffentlichte sie ihr erstes Kinderbuch "Mai-Britt erleichtert ihr Herz" und ein Jahr später "Pippi Langstrumpf".

Pippi soll zufällig entstanden sein

Kurz nach dem Krieg zog die Familie in die Dalagata in Stockholm, wo die seit 1952 verwitwete und seit mehreren Jahren fast völlig blinde und hörbehinderte Autorin bis zu ihrem Tod lebte. Der größte aller Lindgren-Erfolge mit Pippi Langstrumpf soll eher zufällig als mündliche Erzählung am Bett der kranken, siebenjährigen Tochter Karin entstanden sein. Nach ihrem internationalen Erfolg mit ihrer selbstbewussten rothaarigen Heldin brachte es Astrid Lindgren auch mit Nachfolgebüchern wie "Die Kinder von Bullerbü", "Die Brüder Löwenherz" und "Mio, mein Mio" auf weltweite Erfolge.

Lindgren-Museum

Die Autorin erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1978), den Internationalen Jugendbuchpreis (1993) und zuletzt 1994 den Alternativen Nobelpreis. Zu ihrem 90 Geburtstag widmete ihr Schweden 7,5 Millionen Kronen (die Dotierung des Nobelpreises, von dem in Schweden immer wieder gefordert wurde, dass er auch an Kinderbuchautoren und damit an Lindgren vergeben werden sollte) zu Schaffung eines eigenen Lindgren-Museums.

Engagiert

Auch nach dem Ende ihrer schriftstellerischen Arbeit Anfang der neunziger Jahre beteiligte sich Astrid Lindgren aktiv in der öffentlichen Debatte und engagierte sich für einen verbesserten Tierschutz. Auch bei weniger populären Konflikten war Lindgren streitbar, so wie sie in den siebziger Jahren öffentlich gegen eine Einkommensteuer auf ihre Tantiemen von angeglich über 100 Prozent polemisiert und später massiv gegen Schwedens Beitritt zur EU Stellung genommen hatte, ebenso wie sie von der Regierung ihres Landes eine anständige Behandlung von Flüchtlingen einforderte.

In den vergangenen Jahren war die seit 1952 verwitwete Autorin fast völlig erblindet. Seit einigen Monaten war sie als Folge einer Virusinfektion "sehr geschwächt gewesen", teilte ihre Tochter Karin Nyman heute, Montag, mit. In ihrer Stockholmer Wohnung sei sie schließlich "still und sanft" eingeschlafen. (APA/dpa)

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