Grazer Polizisten als Nacktmodels

28. Jänner 2002, 14:19
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Kalender "explosiv - exekutiv 2002" bringt Grazer Polizei in Verruf

Graz - Offenbar hätte es ein Pendant zum Jungbauernkalender werden sollen, das Ergebnis ist aber für alle Beteiligte mindestens peinlich ausgefallen: Der Kalender "explosiv - exekutiv 2002", für das sich Beamte der Grazer Polizei nackt ablichten ließen, hat es über Österreich hinaus in die Schlagzeilen der Boulevard-Medien geschafft. Mittlerweile ist der Vertrieb angeblich gestoppt, die Generaldirektion für öffentliche Sicherheit hat von der Polizeidirektion Graz eine Stellungnahme angefordert.

Gewaltvoll und obszön

Der Kalender war wegen der mit Waffen im Anschlag posierenden Polizisten und den nachträglich unterlegten Frauendarstellungen als "unpassend, Gewalt verherrlichend und obszön" bezeichnet worden. Den uniformlosen Akteuren selbst - einer davon ist führender Personalvertreter -, den Vorgesetzten und auch dem "Erfinder" des Produkts, einem Grazer Unternehmer, ist die Angelegenheit inzwischen nur noch unangenehm: den Models, weil sie im Endprodukt anders ins Bild gesetzt wurden als gedacht, der Polizei, weil sie Berichte in "Bild am Sonntag" ("Ihr schärfster Einsatz"), "The Sun", Sat1 und RTL nicht gerade als Image-fördernd betrachtet, und schließlich dem Unternehmer, der, wenn er auf den 350.000 gedruckten Kalendern sitzen bleibt, angeblich rund 363.000 Euro (5 Mill. S) verliert.

Rechtliche Schritte

Als unrichtig hat sich auch die Beteuerung des Produzenten herausgestellt, das Innenministerium habe für das Projekt sein Plazet gegeben. "Das ist Unfug", dementiert Michael Girardi, Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im Innenministerium, und lässt für den Fall, dass das Produkt dennoch in Umlauf gekommen ist, rechtliche Schritte prüfen. Der Grazer Polizeidirektor Franz Stingl lässt noch seinen Zentralinspektor prüfen, ob mit der Fotosession eine bezahlte Nebenbeschäftigung, die Verwendung von Amtsräumen und Polizeiwaffen verbunden war. Davon werde auch abhängen, ob es zu disziplinarrechtlichen Maßnahmen kommt, so Stingl am Montag. (APA)

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