Führungsstil: "Informationen und Erfolge teilen"

28. Jänner 2002, 16:13
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2 Stunden mit Gabriele Zuna-Kratky, Direktorin des Technischen Museums in Wien. Ein Porträt.

Wissensdurst, Ehrgeiz, Konkurrenzdenken und Erfolgsorientierung hatte sie schon bis 1997 im Unterrichtsministerium in der Abteilung Schulfernsehen/Schulfunk und Medienerziehung sowie in der Abteilung Medienservice tätig unter Beweis gestellt. Danach erfolgte ein entscheidender Karrieresprung: die Bestellung zur Direktorin der Österreichischen Phonothek. Im Jahr 2000 trat Gabriele Zuna-Kratky als Direktorin des Technischen Museums in Wien (TMW) an den Start, um den ehemaligen Bundesbetrieb mit frischer Energie zu einem Erlebnismuseum für alle Generationen umzubauen. Die 150.000 katalogisierten Objekte und 22.000 Quadratmeter des Hauses erstrahlten zwar nach der eben abgeschlossenen Renovierung in neuem Glanz. Die große Herausforderung galt aber der Verbreitung dienstleistungsorientierten Gründergeistes.

Ein deutscher Vorgänger scheiterte kläglich, als er hoffte, die im Schließungsschlaf befindlichen 140 Mitarbeiter mit dem preußischen Appell "So, hier wird jetzt gearbeitet!" auf Touren zu bringen.

Führungsstil: "Informationen weitergeben und Erfolge teilen"

Da kam die Pädagogin, die im Kontakt mit MitarbeiterInnen direktes und konstruktives Vorgehen schätzt - Führungsstil: "Informationen weitergeben und Erfolge teilen" - schon besser voran.

Gleich zu Beginn hat sie das Team ermuntert, von daheim ein altes Sofa mitzubringen. Darauf können die Mitarbeiter ausruhen, wenn eine lange Nacht bevorsteht. Und das passiert immer öfter. Zum pädagogischen Talent gesellt sich ein kaufmännisches: "Ich versuche Geld zu verdienen, indem wir ständig Neues anbieten". Die neue Rechtsform als wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts und fünf verschiedene Dienstrechte ihrer MitarbeiterInnen fordern kreative Lösungen.

Drohen die einmal auszugehen, inspiriert sie sich durch einen Blick ins Aquarium mit 40 Zierfischen oder bringt die Gehirnwindungen per Springschnur auf Trab. Scheint nichts mehr zu gehn, verändert die sportliche Mittvierzigerin einfach die Perspektive. Dann ist "auf einen Berg rennen", "Kopfstand" oder "Untertauchen in der Badewanne" angesagt. Zum Wochenende kommt ihr "Emotionsdepot" mit zur Arbeit.

"Familienstand erledigt"

"Familienstand erledigt", pflege ich zu antworten, meint der Single, dessen Weggefährte Cory, eine vierbeinige Eurasierin, ist. Was der Chefin erlaubt ist, gilt auch wochentags für die Mitarbeiter, denn: "Die Selbstmordrate ist bei Leuten mit Haustieren geringer".

Eine Frau an der Spitze des Technischen Museums - und noch dazu nicht einmal eine ausgebildete Technikerin! "Kann das gut gehen?", fragten nicht nur 27 erfolglos gebliebene Mitbewerber, sondern auch traditionsbewusste Technikgeschichteverwalter, Messingputzer und Schraubenzähler, als die Wunschkandidatin der Bildungsministerin nach einer öffentlichen Ausschreibung um die Position das durch einen objektiven Personalberater entschiedene Rennen gemacht hatte. - Es kann.

Die Zahlen sprechen für sich

Das renovierte TMW läuft programmgemäß, das Publikumsinteresse ist hoch. Zum Vergleich: Vor Schließung und Umbau hatte das TMW rund 190.000 Besucher pro Jahr, im ersten Jahr nach der Wiedereröffnung wurden bereits 360.000 Besucher der Schausammlung und 40.000 Veranstaltungsgäste verzeichnet. (zug)

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