Wiener Polizisten als Geiseln

28. Jänner 2002, 13:56
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Dem Angeklagten drohen bis zu 20 Jahre Haft

Wien - Aus einem Routineeinsatz entwickelte sich für zwei Wiener Polizeibeamte im vergangenen Juli eine mehr als brenzlige Situation: Die Besatzung einer Funkstreife war zur Schlichtung eines Familienstreits in eine Wohnung in Wien-Brigittenau beordert worden.

Der Ehefrau mit Verbrennen gedroht

Die Anklage lautet auf erpresserische Entführung, dem Mann droht im Fall eines Schuldspruchs eine Freiheitsstrafe zwischen zehn und 20 Jahren. Der gebürtige Türke soll aus allen Wolken gefallen sein, als ihm die Anklageschrift zugestellt wurde: "Ich wollten den Beamten nichts tun!"

Der Mann hatte sich mit seiner Ehefrau über Fragen der Kindererziehung gestritten und ihr dabei unter anderem mit dem Verbrennen gedroht. Sie flüchtete darauf mit ihrem Nachwuchs zu einer Nachbarin und verständigte die Polizei. Diese schien die Situation zunächst tatsächlich in den Griff zu bekommen: Man führte die Familie zurück in die Wohnung von Engin A. und redete auf ihn ein, er möge sich doch beruhigen.

"Geiselnahme"

Als die Uniformierten Verstärkung anforderten, weil Engin A. einfach nicht zur Ruhe kam, riss dieser plötzlich einem Inspektor den Holster mit der Dienstwaffe hinunter. Mit der Glock-Pistole bedrohte er dessen Kollegin, die darauf ihre Pistole und die Munition hergeben musste. Dann schickte er sie aus der Wohnung. Ihren Kollegen ließ er nicht laufen, so dass sich rasch ein Großaufgebot der Exekutive am Tatort einfand und Scharfschützen Stellung bezogen, um die "Geiselnahme" zu beenden.

Man nahm telefonisch Kontakt mit dem 39-Jährigen auf, und während eines solchen Gesprächs gelang dem Polizisten schließlich die Flucht. Da weitere Verhandlungen mit dem nunmehr allein in seiner Bleibe verbliebenen, bewaffneten und schwer einzuschätzenden Mann nichts ergaben, stürmten Einsatzkräfte schließlich die Wohnung und überwältigten Engin A., der die Waffen inzwischen abgelegt hatte. (APA)

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