"Ich schreibe für das Kind in mir"

29. Jänner 2002, 15:35
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Die beliebte schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren ist 94-jährig verstorben - Eine Buch-Ansichtssache

Stockholm - Die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren starb am Montag im Alter von 94 Jahren an den Folgen einer Krankheit in ihrem Haus in Stockholm. Astrid Lindgren gilt mit Klassikern wie "Pippi Langstrumpf", "Madita" oder "Wir Kinder aus Bullerbü" als beliebteste Kinderbuchautorin der Welt.

Rückschau

Sie wurde am 14. November 1907 in Näs im idyllischen Bezirk Smaland als Bauerntochter geboren. Nach Tätigkeit als Sekretärin veröffentlichte Lindgren 1945 den Band "Pippi Langstrumpf" und wurde mit diesem Buch auch international bekannt. Bis 1982 folgten unter anderem "Mio, mein Mio", "Karlsson vom Dach", "Die Brüder Löwenherz" oder "Ronja Räubertochter".

Gefeiert

Die Bücher von Astrid Lindgren wurden in über 70 Sprachen übersetzt. Die Schwedin erhielt 1978 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels und wurde 1994 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Lindgrens 90. Geburtstag am 14. November 1997 war in Schweden wie ein Nationalfeiertag begangen worden.

Nach dem altersbedingten Ende ihrer schriftstellerischen Arbeit setzte sich die in Stockholm lebende Schwedin immer wieder für einen besseren Tierschutz ein. Astrid Lindgren ging aber auch weniger populären Konflikten nicht aus dem Weg, als sie Mitte der 70er Jahre öffentlich gegen eine Einkommenssteuer auf ihre Tantiemen von angeblich über 100 Prozent protestierte. Als letzte literarische Arbeit veröffentliche die Schriftstellerin 1992 eine autobiografische Weihnachtsgeschichte. Sie war in ihren letzten Lebensjahren erblindet und hatte große Hörprobleme.

Lieber keine Aufregung

In Schweden änderten Fernsehen und Rundfunk sofort nach dem Bekanntwerden der Todesnachricht ihre Programme. Kulturministerin Marita Ulvskog sagte: "Wir werden Astrid Lindgren ungeheuer vermissen. Sie war persönlich vollkommen anspruchslos, aber so ungemein entschieden darin, dass Kinder das Wichtigste auf der Welt sind." Für die Schwedische Akademie, die alljährlich über der Vergabe des Literaturnobelpreises entscheidet, meinte deren Sprecher Horace Engdahl: "Wenn alle Kinder dieser Welt irgendwo eine heimliche Republik hätten, wäre Astrid Lindgren ihre Kultfigur." Engdahl wies die in Schweden immer wieder geäußerte Kritik daran zurück, dass die literarische "Mutter" von Pippi Langstrumpf nicht mit dem Nobelpreis für ihr beispielloses Werk ausgezeichnet wurde. Lindgren selbst, die 1978 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1994 mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt wurde, hatte in ihrem letzten Lebensabschnitt mehrfach öffentlich erklärt, sie wünsche den Literaturnobelpreis wegen der damit verbundenen öffentlichen Aufregung nicht.
(APA)

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