Uni-Reform: "Mit ökonomischer Schraube ist Bildung nicht zu steuern"

28. Jänner 2002, 10:02
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Rektor der Musik-Uni Graz Kolleritsch: "Bildungspolitische Architekten des Neuaufbaus in hohem Maße ahnungslos"

Graz/Wien - Der langjährige Rektor der Musik-Universität Graz, Otto Kolleritsch, begrüßt die im Zuge der Universitätsreform geplante Autonomie der Hochschulen. Bei den bisher vorliegenden Vorschlägen sehe man aber "im Detail, dass die Universität im Griff der Politik bleibt" und nur wenig Selbststeuerung überbleibe. "Nur mit der ökonomischen Schraube ist Bildung jedenfalls nicht zu steuern", erklärte Kolleritsch im Gespräch mit der APA und geht mit den Reformen hart ins Gericht.

So bezeichnet Kolleritsch die derzeitigen "bildungspolitischen Architekten des Neuaufbaus" als "in hohem Maße ahnungslos. Sie meinen, weil alles anders werden soll, muss ihr inhaltliches Nichtwissen geradezu eine Tugend sein." In den vergangenen 50 Jahren habe solcher Geist ganze Kulturen vernichtet. Das Bildungsministerium argumentiert nach Ansicht des Rektors so, dass man immer der Universität die Schuld geben könne. Dadurch werde den Hochschulen schon a priori eine positive Umsetzung der Autonomie abgesprochen.

Konkret sieht Kolleritsch ein Problem beim geplanten Universitätsrat. Da die Politik "im Künstlerischen nicht selten den Eindruck einer personellen Auffangkategorie" vermittle, bestehe bei der Besetzung dieses Gremiums die Gefahr, dass die notwendige Kompetenz nicht ausreichend respektiert werde. "Ich möchte keine Kulturpolitiker im Kunstuniversitäts-Rat haben, dieses Gremium braucht künstlerisch versierte, philosophisch kritische und wirtschaftlich sensible Köpfe", so der Rektor. Es werde nicht so leicht sein diese Personen zu finden, aber es gebe sie, zum Teil im Ausland. (APA)

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