Frauen als "menschliche Bomben" sind keine Seltenheit

29. Jänner 2002, 09:06
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Traurige Tradition: Weltweit Selbstmord- missionen durch Frauen

Berlin - Am Sonntag verübte erstmals im Nahost-Konflikt eine Frau ein Selbstmordattentat. Bei dem Anschlag in Jerusalem wurden neben der Palästinenserin ein israelischer Mann getötet und Dutzende Menschen zum Teil schwer verletzt. Die Entsendung einer Frau auf eine Selbstmordmission stellt einen bedeutenden Wechsel in der Taktik radikaler palästinensischer Gruppen dar.

Legitimation per Rechtsgutachten

Nach Angaben der israelischen Polizei wurden Frauen jedoch bereits als Komplizinnen in palästinensischen Selbstmordanschlägen eingesetzt. Britischen Presseberichten zufolge veröffentlichte der arabische Hohe Islamische Rat im August 2001 ein Rechtsgutachten, das Palästinenserinnen zu Selbstmordmissionen ermutigen soll.

Frauen erwecken weniger Verdacht

In anderen Teilen der Welt werden Frauen bereits seit Jahren von Terrororganisationen für Suizidmissionen eingesetzt. Die Gruppen machen sich dabei zu Nutze, dass Frauen gegenüber Sicherheitskräften weniger Verdacht erwecken.

Besonders die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE), die seit 30 Jahren für einen von Sri Lanka unabhängigen Tamilenstaat kämpfen, setzten in der Vergangenheit auf Frauen bei Selbstmordattacken. Bei rund 40 Prozent der insgesamt mehr als 170 bisherigen LTTE-Suizidmissionen zündeten Frauen den Sprengsatz.

Im Mai 1991 wurde der damalige indische Premierminister Rajiv Gandhi bei einer Wahlkampfveranstaltung von einer Frau namens Dhanu in die Luft gesprengt, die sich eine Bombe um den Bauch gebunden hatte. Damit täuschte sie eine Schwangerschaft vor, um harmloser zu wirken.

Fast nur Frauen bei PKK

Als die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) 1996 nach dem Vorbild der radikalen Palästinenserorganisation Hamas mit Selbstmordanschlägen begann, gingen fast ausschließlich Frauen auf die Missionen. Sie verübten Anschläge auf Polizeistationen und andere staatliche und militärische Einrichtungen vorwiegend in den südosttürkischen Städten Tunceli, Adana und Sivas. Dabei kamen die Attentäterinnen ums Leben, mehr als 50 Menschen wurden verletzt.
(APA)

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