Argentinischer Ex-Präsident überlegt Abspaltung seiner Heimatprovinz

28. Jänner 2002, 09:08
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Rodriguez Saa für Unabhängigkeits- Bestrebungen in San Luis

Buenos Aires/Wien - Der argentinische Kurzzeitpräsident Adolfo Rodriguez Saa denkt offenbar daran, seine Provinz San Luis von Argentinien abzuspalten. Die neue "Republik" solle institutionell von Argentinien unabhängig sein, eine eigene Währung und eine sanierte Wirtschaft haben, berichtet die Tageszeitung "Clarin" (Sonntagsausgabe) unter Berufung auf Berater des ehemaligen Gouverneurs der mittelargentinischen Provinz.

Saa hatte am 30. Dezember nach einer nur einwöchigen Amtszeit als Präsident Argentiniens das Handtuch geworfen, nachdem er die Unterstützung der Bevölkerung und seiner eigenen Partei verloren hatte. Der Provinzregierung nahe stehende Unternehmer und ehemalige Beamte diese Woche hätten diese Woche öffentlich über die Umwandlung der Provinz in eine Republik nachgedacht, während Kreise um den Ex-Präsidenten betont hätten, dass San Luis keineswegs "die Rechnungen eines ineffizienten Nationalstaates bezahlen" müsste. Schließlich handle es sich um die einzige Provinz des Landes mit Nulldefizit, Wirtschaftswachstum, ohne Schulden und höchster Kreditwürdigkeit nach den Kriterien der Weltbank (AAA).

Laut "Clarin" werde in Regierungskreisen, in denen der Peronist Saa auch nach seinem Rückzug aus der Politik das Sagen habe, nun offen über die Unabhängigkeit der im Herzen des Landes gelegene Provinz debattiert, während die Opposition von einem "Wahnsinn" spreche. Außerdem sei unklar, wie das Projekt rein rechtlich durchgeführt werden könnte. Zunächst sei nämlich die Änderung der Provinzverfassung notwendig. San Luis - etwa so groß wie Österreich - ist flächenmäßig eine der kleineren Provinzen des Landes und hat 351.000 Einwohner. Insgesamt leben in Argentinien 36,2 Millionen Menschen.

Rodriguez Saa selbst hat sich zu dieser Idee zunächst noch nicht geäußert und hält sich von der Öffentlichkeit fern. Er schreibe an einem Buch, beantworte E-Mails und treffe sich mit Unternehmern und Politikern, so "Clarin". Es wird darüber spekuliert, ob er bei den Präsidentenwahlen im Jahr 2003 antreten will. Seine Berater würden nämlich auf eine während seiner kurzen Amtszeit durchgeführten Umfrage verweisen, die positive Werte für Saa ergeben hätten. (APA)

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