Sieben Franzosen unter US-Gefangenen in Kuba

28. Jänner 2002, 07:50
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Pariser Delegation reist nach Guantanamo

Paris/London - Unter den US-Gefangenen in Kuba sind einem Zeitungsbericht zufolge auch sieben Franzosen. Eine Delegation des französischen Außenministeriums sei deshalb am Wochenende zu dem US-Stützpunkt Guantanamo aufgebrochen, berichtete die Tageszeitung "Le Figaro" am Montag unter Berufung auf einen Ministeriumssprecher. Dem Bericht zufolge wurde die Regierung in Paris bereits vor mehr als einer Woche von Washington über die sieben Gefangenen informiert, die in Lille, Marseille und Pariser Vororten gewohnt hätten.

Außenamtssprecher Bernard Valero sagte der Zeitung dagegen, das Internationale Rote Kreuz habe die Regierung auf französischsprachige Inhaftierte aufmerksam gemacht. Nähere Informationen würden erst von der Pariser Delegation erwartet.

Gehirnwäsche?

Die Angehörigen eines auf Guantanamo gefangen gehaltenen Briten aus Afghanistan fordern die Heimkehr des 24-Jährigen. Shafiq Rasul solle zurückkommen, weil seine Mutter sich große Sorgen mache und unter Schock stehe, erklärten zwei seiner Brüder am Sonntagabend vor ihrer Wohnung im mittelenglischen Tipton. Für seine Festnahme in Afghanistan könne es nur zwei Gründe geben, sagten die Brüder. Entweder die Taliban hätten ihn einer Gehirnwäsche unterzogen, oder Shafiq habe Frauen, Kindern und Kranken in dem Land helfen wollen. Am 24. Dezember habe die Familie zuletzt mit dem Sohn in Pakistan telefoniert, um ihm den Tod eines Cousins mitzuteilen. Shafiq, der jüngste von fünf Geschwistern, sei sehr "verwestlicht" gewesen und habe auch den Anschlag auf das World Trade Center verurteilt, betonten seine Brüder. Im Oktober sei er nach Pakistan gereist.

Das britische Außenamt hatte am Samstag bestätigt, dass unter den mutmaßlichen El-Kaida-Mitgliedern und Taliban-Kämpfern in Guantanamo zwei britische Bürger aus Tipton seien. Wie die "Times" unter Berufung auf Sicherheitsbeamte in ihrer Montagausgabe berichtet, sollen zudem zwei weitere Moslems aus Tipton als vermisst gelten. Sie gehörten zu einer Gruppe von "14 Extremisten", die sich regelmäßig getroffen hätten. Rasul habe die Gruppe angeführt. Unter den US-Gefangenen in Afghanistan befänden sich demnach 17 weitere Moslems, die sich als Briten ausgäben. (APA)

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