Max Ophüls Preis: Auszeichnungen für drei österreichische Filme

28. Jänner 2002, 16:58
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Hauptpreis an Barbara Gräftner für "Mein Russland"

Wien - Vier der am Sonntagabend vergebenen Auszeichnungen des Wettbewerbs um den Max Ophüls Preis in Saarbrücken gehen an ÖsterreicherInnen.

Preisträger

Den Hauptpreis des Festivals, den "Max Ophüls Preis 2002", erhielt die Regisseurin Barbara Gräftner für ihren Film "Mein Russland". Der Förderpreis der Jury ging an Sabine Derflinger für den Streifen "Vollgas", der seiner Kostümbildnerin Monika Buttinger auch den Femina-Filmpreis für hervorragende Leistungen einer Frau im Filmbereich eintrug. Ein weiterer Sonderpreis der Jury ging an Jörg Kalts "Richtung Zukunft durch die Nacht".

Barbara Gräftner

Das Studium der Seelenkunde ist offenbar keine schlechte Voraussetzung für eine österreichische Filmkarriere. Der Vorarlberger Hans Weingartner, der im Vorjahr in Saarbrücken den Wettbewerb um den Max Ophüls Preis für den deutschsprachigen Filmnachwuchs mit seinem Film "Das weiße Rauschen" über den Ausbruch einer schizophrenen Psychose gewann, hatte vor dem Besuch der Kölner Kunsthochschule für Medien Gehirnforschung und Neurochirurgie studiert. Die diesjährige Max Ophüls Preisträgerin Barbara Gräftner (37), Studentin der Wiener Filmakademie, ist außerdem Medizinerin und ausgebildete Psychotherapeutin.

Filmgroteske "Mein Russland"

Gräftner wurde 1964 geboren. Sie studierte in Wien Medizin und Architektur und famulierte an der Universitätsklinik für Psychiatrie. Seit 1996 studiert Gräftner an der Wiener Filmakademie. Die Filmgrotesken "Mein Russland" (Bonus Film), eine Semesterarbeit für die Filmakademie, ist Gräftners Spielfilm-Debüt.

Sound von Christof Kurzmann

Der 70-Minuten-Streifen erzählt die Geschichte der 46-jährigen Bankbeamtin Margit, die das Leben im Griff zu haben scheint, bis die Heirat ihres Sohnes mit einer Russin das Gefüge durcheinander bringt. Den Sound steuerte der Wiener Elektronikmusiker Christof Kurzmann bei.

Bis jetzt kein Verleih

Einen Verleih hat der von der Jury als "intelligent und vielschichtig" gerühmte Film, der "virtuos mit den Stereotypen in unseren Köpfen" jongliere, bisher noch nicht gefunden. Der Film jongliert virtuos mit den Stereotypen in unseren Köpfen", so die Jury weiter.

"Suchen, jagen und listig hervorlocken"

Die Auszeichnung in Saarbrücken kam für die Filmstudentin überraschend. "Ich habe nicht damit gerechnet", freute Gräftner sich am Sonntag bei der Verleihung der kleinen Statue mit drei blauen Herzen, verbunden mit 36.000 Euro Preisgeld. Auskunft über ihre Auffassung und Arbeitsweise gibt die Filmemacherin in einem Text für den Katalog des Max-Ophüls-Wettbewerbs: "Filme machen bedeutet für mich, das Bleibende hinter den sich wandelnden Gestalten zu sehen, es zu suchen und zu jagen. [...] Es bedeutet, das Wesen in jeder Erscheinung listig hervorzulocken. Es bedeutet, geduldig und unerschütterlich an eine Seele in allem zu glauben."

Förderpreis

Der mit 3.000 Euro dotierte Förderpreis wird von der Jury einem Debütfilm aus dem Spielfilmwettbewerb zugesprochen und ging an den Streifen "Vollgas". "Der von Henriette Heinze in der Hauptrolle intensiv gespielte und von Sabine Derflinger inszenierte Film ist die Geschichte einer Frau, die keine Grenzen akzeptiert", befand die Jury.

Weitere Preise

Der Filmpreis des saarländische Ministerpräsidenten (5.500 Euro) ging an die Regisseurin und Drehbuchautorin Almut Getto für "Fickende Fische". Der Kurzfilmpreis (3.000 Euro) ging an Sven Harguth für den 7-minütigen Streifen "Du und ich, wir könnten einander gehören". Der mit 13.000 Euro dotierte Drehbuchpreis ging an Stefan Haupt für "Utopia Blues". (apa/red)

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