Ein Auto, unterschiedliche Preise

27. Jänner 2002, 22:34
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Eurolandvergleich: Finnland am teuersten - Nationale Steuern sind unumgänglich

Wien - Eine Währung macht noch lange nicht einen Preis, beim Autokauf wird's besonders augenfällig. DER STANDARD machte sich auf die Onlinereise durchs Euroland. Das ausgewählte Preisbeispiel: ein VW-Golf (Autos dieses Herstellers sind die in Österreich meistverkauften), Limousine-Basismodell ohne Zusatzausstattung, 75 PS, Benzinmotor.

In Österreich wird dieses Gefährt (Golf Cool) auf der VW-Homepage mit 16.240 Euro (223.467 Schilling) brutto ausgepriesen. In Deutschland mit 14.925 Euro, in Italien mit 15.232 Euro. Irgendwann danach stellen sich wahrscheinlich Probleme mit griechischen Buchstaben oder finnischen Konsonantenfolgen ein. Wer davor jedoch durch ein paar Autosites gezappt ist, mit denen er weniger sprachliche Probleme hat, meistert wahrscheinlich auch diese Hürde: Die Seiten sind einander recht ähnlich, und wenn man wirklich nur ein Golf-Basismodell sucht, genügt ein Blick auf die jeweils erste Preiszeile.

Eigenimport

Zugegeben: Der Fall des Eigenimports eines Wagens aus Helsinki oder Lissabon oder Madrid ist ein recht unwahrscheinlicher. Vielleicht auch nicht sehr lohnend, der gesuchte Golf kostet in Spanien mit 15.000 Euro etwas mehr als im näher liegenden Deutschland. Lissabon scheidet preismäßig aus, dort werden 17.637,91 Euro verlangt, in Finnland 18.650 Euro.

Wollte man den Autokauf in einem Frankreich-Urlaub unterbringen, man hätte dort mit 14.240 Euro zu kalkulieren, in Irland werden 17.980 Euro verlangt, in den Niederlanden 16.720, in Belgien 14.059,99 und in Luxemburg 13.720. Die schwierigste Übung: In Griechenland kostet das Modell wahrscheinlich 15.011 Euro.

In diesen Preisen sind stets Steuern enthalten, die kann man getrost vergessen - bei der Anmeldung in Österreich ist die hiesige Mehrwertsteuer zu zahlen, die Normverbrauchsabgabe selbstverständlich zusätzlich.

Bürokratische Hürden

Dann gibt es noch ein paar bürokratische Hürden, denn erst einmal muss ein Käufer sein Auto aus dem Ausland erst nach Österreich bringen, und das geht natürlich nicht ohne Überstellungskennzeichen, diese wiederum gibt es selbstverständlich nicht ohne Versicherungsschutz. Dann muss das Vehikel erst angemeldet werden, das heißt die fremden Papiere müssen in Österreich anerkannt werden.

Womit sich zeigt, der Internet-Preisvergleich ist zwar nicht schwer zu bewerkstelligen, wirklich aussagekräftig sind die Preise jedoch nicht. Die EU-Kommission will den Wettbewerb im Autohandel aber ohnehin ankurbeln. Es wird freilich noch dauern, bis es weniger Gebietsschutz und Konzernbindung gibt. (or, Der Standard, Printausgabe, 28.01.02)

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