Klinik-Skandal in Polen: Erste Festnahmen

28. Jänner 2002, 17:05
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In Lodz soll reger "Leichenhandel" betrieben worden sein - rund 5.000 Todesfälle untersucht

Warschau - Nach den Festnahmen von sieben Verdächtigen im polnischen Klinik-Skandal will sie Lodzer Staatsanwaltschaft noch am Montag erste Haftbefehle erlassen. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte die Polizei keine näheren Angaben zu den Festgenommenen machen.

Leichen gegen Provision

Bisher werde ihnen die Beteiligung an dem "Leichenhandel" mit den Bestattungsunternehmen vorgeworfen. Unter Berufung auf inoffizielle Quellen berichteten polnische Medien, dass auch drei Ärzte der Unfallstation festgenommen wurden. Mitarbeiter der Unfallstation in Lodz sollen Leichen gegen Provisionen an Bestatter vermittelt hatten.

Zur Aufklärung des Klinik-Skandals könnte nach Angaben des Gesundheitsministeriums auch die Hilfe deutscher Experten gefragt sein. Dort gebe es ein Labor, in dem das Medikament Pavulon auch noch nach zehn Jahren nachgewiesen werden könne, berichtete der polnische Rundfunksender "Radion RMF" am Montag.

Pfeilgift Curare

Das mit dem Pfeilgift Curare verwandte Medikament soll nach unbestätigten Medienberichten in Rettungswagen der Lodzer Unfallstation eingesetzt worden sein, um Patienten zu töten und zusätzliche "Einnahmequellen" in einem Provisionsgeschäft mit Bestattungsunternehmen zu sichern. Die Ermittler müssen etwa 5.000 Todesfälle der vergangenen zehn Jahre untersuchen, um zu klären, ob tatsächlich Patienten von Sanitätern oder Ärzten getötet wurden. (APA/dpa)

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