Aktien fördern als Ansporn für Anleger

27. Jänner 2002, 20:26
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Börsevorstand schlägt Steuerzuckerl vor

Wien - Erich Obersteiner, Vorstand der Wiener Börse, verliert sein Interesse an US-amerikanischen Steuervorbildern zwecks Ankurbelung des Vertrauens in den Aktienbesitz nicht: Er schlägt also ein Steuerzuckerl für jene Anleger vor, die langfristig in ihre eigene Pensionsvorsorge, und zwar über den Kapitalmarkt, investieren.

"Bis zu einer Veranlagung von 5000 Euro könnte man die Anleger von der Steuer befreien", meint er. Also sollten die Anleger jährlich 5000 Euro von ihrer Steuergrundlage abschreiben können. Aber eben nur, wenn sie am Kapitalmarkt investieren, eventuell über Fonds, die langfristig veranlagt sind.

Steuerreform

Ein positives Echo kommt auf diesen Vorschlag vom neuen Beauftragten für den heimischen Kapitalmarkt, Richard Schenz. Er sagte, er wolle sich diesen Vorschlag ansehen. "Mit Steuererleichterungen geht sicher vieles. Ob man es sich finanziell leisten kann, muss man sehen." Aber in jedem Fall will Schenz den Vorschlag Obersteiners "sicher" aufgreifen. Ob die Förderung 5000 Euro, 2000 oder 3000 Euro betrage, sei dahingestellt. "Es ist auf jeden Fall eine Idee, die geprüft werden muss."

Experten glauben, dass eine steuerliche Förderung des Aktienbesitzes im Rahmen einer Steuerreform "selbstverständlich ein Thema" sein sollte, warnen allerdings gleichzeitig vor zu viel Euphorie. Und verweisen beispielsweise auf die Einbußen, die etwa Pensionskassen im Vorjahr mit Investitionen an den Aktienmärkten hinnehmen mussten. Was zur Folge hat: Erstmals werden heuer die Zusatzpensionen gekürzt.

Flügel für den Markt

Trotzdem sei klar: Eine Förderung des Aktienbesitzes könne den Kapitalmarkt nur beflügeln, sagen Experten. Unbestritten bleibe aber dennoch die Frage nach der Finanzierung eines solchen Förderinstruments. Zudem sei zu überlegen, die bereits bestehenden unterschiedlichen Instrumente zur Pensionsvorsorge zu bereinigen.

Fazit: Die steuerliche Förderung, so Insider, sei von der Lenkung Richtung Kapitalmarkt her interessant. Ob damit die Altersvorsorge tatsächlich strukturell verbessert werden kann, sei allerdings zu bezweifeln. Andererseits könnte den immer noch zurückhaltenden Österreichern Lust auf die Aktie gemacht werden. So besitzen derzeit laut Wiener Börse 7,5 Prozent der Österreicher Aktien. Ein Gutteil davon ist in Investmentfonds veranlagt.

Klar sein muss den Anlegern auch, dass eine Aktie immer ein Risikopapier bleibt, dass sie also viel gewinnen, aber auch viel verlieren können. (este, Der Standard, Printausgabe, 28.01.02)

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