Getilgte Schulden und Gewinnspiele

27. Jänner 2002, 19:34
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Salzburger Mozartwoche: Das monetäre Möchten und das musikalische Können

Salzburg - Vom Treiben und Wollen der Internationalen Stiftung Mozarteum ist in den letzten Monaten manch Sorgenvolles vernommen worden. Mit den Finanzen hat die ehrwürdige Einrichtung ihre Not. Viele Konzerte leiden unter Publikumswiderspruch, sodass man auf die Kammerkonzerte zu verzichten gedenkt. Mit der Camerata Salzburg befindet man sich im Clinch. Das Ensemble garantiert zwar volle Säle, die Stiftung macht dennoch Minus und möchte die Mehrkosten teilweise auf das Orchester abwälzen. Im Hintergrund rumoren Stadt und Land, dem das erstarkte Mozerteum Orchester am Herzen liegt.

Zu Beginn der Mozartwoche ist der Veranstalter immerhin in der glücklichen Lage, das Packard Humanities Institute als Gönner ins Spiel zu bringen. Die Hälfte der für die Restaurierung des Mozartschen Wohnhauses angehäuften Schulden werden getilgt, zudem sorgt der Geldfluss aus den Staaten für ein Großprojekt, nämlich die Digitalisierung der Mozart-Ausgabe.

Ambitioniert in den programmatischen Richtlinien, in der Umsetzung leider ohne besondere Vitamine - so gestaltete sich das Eröffnungskonzert des Schwedischen Radio Sinfonie Orchesters unter der Leitung von Manfred Honeck. Mit einer zum abschließenden Mozart-Requiem charakterlich viel versprechenden, aber gehaltlich doch dünnen Trauersinfonie von Joseph Martin Kraus schien mehr als deutlich das Vergängliche bezeichnet zu sein. Haydns Londoner Nr. 93 fehlte es an emotionaler Zeichensetzung; im zweiten Teil fühlte man sich durch eine überlegte, mit Texten und themenverwandten Mozart-Stücken angereicherte Requiem-Dramaturgie zumindest auf der musikphilologischen Ebene verantwortungsvoll bedacht.

András Schiffs Auftreten mit seiner Capella Andre Barca scheint sich zu einer Art Massendelirium für Ausführende und Lauschende zu entwickeln. Schiff forciert ein Spiel mit sicherer Mehrheitsfähigkeit, er kommt entgegen, er macht es dem Durchschnittsgeschmack leichter, als es den Werken womöglich lieb ist. In diesem Sinne scheint auch Leopold Hager mit den Wiener Philharmonikern zu denken, freilich ohne Schiffs Aufgewecktheit und auch ohne dessen Rasanz.

(DER STANDARD, Printausgabe vom 28.1.2002)

Von
Peter Cossé
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