Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen zum Holocaust-Tag

27. Jänner 2002, 15:55
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Neue Ausstellung im ehemaligen KZ Sachsenhausen - Erinnerung an Befreiung in Auschwitz

Berlin - Mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen und Kranzniederlegungen ist am Sonntag in ganz Deutschland an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert worden. Am 57. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wurde im ehemaligen KZ Sachsenhausen bei Oranienburg eine neue Ausstellung über das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener eröffnet. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, beklagte anlässlich des so genannten Holocaust-Tages einen Mangel an Zivilcourage im Kampf gegen Rechts.

Die in Oranienburg eröffnete Ausstellung beleuchtet das Verhältnis zwischen ehemaligen KZ-Häftlingen, russischen Militärärzten und deutschen Pflegerinnen. Nach der Befreiung Sachsenhausens Ende April 1945 versorgte die Rote Armee etwa 3.000 von der SS zurückgelassene kranke Häftlinge. Dabei verpflichtete die sowjetische Besatzungsmacht Oranienburger Frauen zu Pflegeeinsätzen. Lebensgeschichten aus jener Zeit werden zum Teil in Videointerviews dokumentiert. In praktisch allen deutschen KZ-Gedenkstätten fanden am Sonntag Sonderveranstaltungen zum Holocaust-Tag statt. Auf dem Programm standen Kranzniederlegungen, spezielle Führungen, die zumeist von ehemaligen Häftlingen organisiert wurden, sowie Lesungen und Ansprachen.

Merkel: Wir bekennen uns zur Verantwortung, dass sich die Barbarei nicht wiederholt

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel erklärte anlässlich des Gedenktages: "Wir bekennen uns an diesem Tag zu der Verantwortung dafür, dass sich die Barbarei der Jahre 1933 bis 1945 nie mehr wiederholt. Nur die Kenntnis der Vergangenheit, und sei sie noch so schmerzhaft, hilft uns, für die Zukunft die richtigen Lehren zu ziehen." Dabei gelte es, insbesondere junge Menschen mit den historischen Fakten und den Schicksalen der Opfer vertraut zu machen. Dies sei der wirksamste Schutz vor neuem politischen Extremismus und Fremdenfeindlichkeit.

Spiegel erklärte allerdings, er vermisse hier den von Bundeskanzler Gerhard Schröder geforderten Aufstand der Anständigen. "Ich habe zuweilen den Eindruck, die Leute schauen weg und schweigen, wenn es eigentlich angebracht wäre, hinzuschauen und zu handeln", zitiert der Berliner "Tagesspiegel" den Präsidenten des Zentralrats der Juden. Allen müsse jedoch klar sein: "Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus sind nicht nur eine Gefahr für Minderheiten, sondern für alle in Deutschland, die Demokratie wollen." Dies jedem deutlich zu machen, sei eine zentrale Aufgabe der Bildungspolitik.

Auch in Polen ist am Sonntag mit einer Gedenkfeier vor der so genannten Todeswand im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau an die Befreiung der Häftlinge vor 57 Jahren erinnert worden. An der Feier nahmen außer ehemaligen Auschwitz-Häftlingen auch Jugendliche aus Deutschland und Polen teil.

Nach der Kranzniederlegung im einstigen "Stammlager" Auschwitz beteten ein polnischer Pfarrer und ein deutscher Rabbiner vor den Ruinen der Gaskammern von Birkenau für die Opfer des nationalsozialistischen Völkermords. Allein in Auschwitz-Birkenau waren mindestens 1,3 Millionen Menschen ermordet worden, die meisten von ihnen Juden aus Polen und den von Deutschland besetzten Staaten Europas. (APA/AP/dpa)

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