Hormone in Eigenregie schlucken ist gefährlich

27. Jänner 2002, 19:00
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Der "jugendlichen Frische" auf keinen Fall ohne ärztliche Beratung nachhelfen!

Fürth - Hormone, die angeblich den Alterungsprozess verlangsamen, sollten nach Ansicht eines Experten keinesfalls generell und ohne ärztlichen Rat eingenommen werden. Es fehle an wissenschaftlichen Studien über die Wirkungen, sagte der Fürther Urologe Prof. Thomas Ebert. Jeder Hormonersatz (Substitution) müsse individuell geprüft werden.

Im Zuge der so genannten Anti-Aging-Bewegung ist die Einnahme von Hormonen wie DHEA, Melatonin oder dem Wachstumshormon HGH verstärkt in der Diskussion. DHEA (Dehydroepiandrosteron) und Melatonin sind in den USA als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich, in Deutschland über das Internet zu beziehen.

Marktlage günstig

"Mit Hormonen wird gutes Geld gemacht", sagte Ebert. Aus DHEA, das in der Nebennierenrinde produziert wird, baut der Körper männliche und weibliche Hormone auf. Da die Produktion mit den Jahren geringer wird, gilt DHEA als "Hormon der Jugend". Ihm werden Eigenschaften wie Senkung des Herzinfarktrisikos, Verringerung von Depressionen oder Stärkung der Knochendichte zugeschrieben. Wissenschaftlich seien diese Effekte aber nicht nachzuweisen, sagte Ebert. Die Datenlage sei dafür nicht ausreichend.

Dasselbe gelte für Melatonin. Dieses Hormon wird in der Zirbeldrüse im Hirn produziert. Nach Eberts Worten kann es hilfreich sein bei der Behandlung von Schlafstörungen oder gegen den Jet-Lag. "Ob es als Anti-Aging-Hormon eine Bedeutung hat, ist umstritten", sagte der Mediziner von der EuromedClinic in Fürth. Ergebnisse aus Tierversuchen ließen sich nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen.

Das "Königshormon"

Als "Königshormon" gegen das Altern werde von vielen, vor allem amerikanischen Autoren das Wachstumshormon (HGH - Human Growth Hormone) angesehen. Hersteller versuchten, dafür einen Markt zu schaffen. Gut dokumentiert ist nach Eberts Ausführungen ein positiver Effekt auf die Körperzusammensetzung (weniger Fett, mehr Muskelmasse) und auf die Erhöhung der Knochendichte. Es sei jedoch Vorsicht geboten. Das Krebsrisiko durch die HGH-Therapie sei nicht vollständig geklärt. Außerdem könne es bereits bei geringer Überdosierung zu Nebenwirkungen wie Wassereinlagerungen, Gelenkschmerzen oder Störungen des Glukosehaushalts kommen.(APA/dpa)

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