Die Rückkehr scheinbar besiegter Seuchen

27. Jänner 2002, 19:01
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Masern, Malaria und Tuberkulose aus der Ex-Sowjetunion - weltweiter Vormarsch trotz Vorsorgemaßnahmen

Hamburg - Noch vor wenigen Jahren sah es so aus, als könnte die Medizin den Kampf gegen die Seuchen gewinnen. Durch verbesserte Hygiene, weltweite Impfungen und moderne Antibiotika schienen die Mikroorganismen zunächst besiegt. Doch das hat sich, so ein Bericht in "National Geographic Deutschland", als "fataler Irrtum" herausgestellt: Seuchen sind weltweit wieder auf dem Vormarsch

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Urlauber und Flüchtlinge, die Erreger über Landesgrenzen hinweg einschleppen, Mangelernährung in Ländern der Dritten Welt oder gegen Antibiotika resistente Mikroorganismen ließen die Verbreitung von ausgerottet geglaubten Infektionskrankheiten bedenklich in die Höhe schnellen, berichtet das Magazin. So hat etwa die Zuwanderung aus der früheren Sowjetunion eine Zunahme der Tuberkulose-Erkrankungen zur Folge. Derzeit infizieren sich jährlich rund 10.000 Deutsche an dem durch Tröpfcheninfektion übertragenden Bazillus.

90 Prozent aller infektionsbedingten weltweiten Todesfälle sind auf sechs Krankheitserreger zurückzuführen: Grippeviren, die in ständig neuen Varianten auftauchen, das HI-Virus, welches das menschliche Immunsystem außer Gefecht setzt oder Malaria, von der 40 Prozent der Weltbevölkerung gefährdet sind. Allein an Masern erkranken jährlich 30 Millionen Menschen, etwa 900.000 sterben daran. Zumindest Influenza und Masern wären durch Impfungen in den Griff zu bekommen, die Aids-Erreger durch "Safer Sex" und andere Vorbeugungsmaßnahmen.

Obwohl Impfstoffe die wirksamste und kostengünstigste Waffe im Kampf gegen Infektionskrankheiten sind, wird in die Entwicklung neuer Präparate wenig Geld investiert. Weltweit koordinierte Bemühungen wären notwendig. Wie gut das gelingen kann, zeige die laufende Kampagne gegen Kinderlähmung: Dank umfangreicher internationaler Kooperation sind in den vergangenen Jahren fast zwei Milliarden Kinder in Ländern der Dritten Welt immunisiert worden. Manche Regionen unterbrachen sogar ihre kriegerischen Auseinandersetzungen, damit medizinische Helfer ungehindert passieren konnten.

Hoffnung Gentechnik?

Hoffnung im Kampf gegen Cholera und Hepatitis könnten auch Gen-Versuche an Pflanzen bringen. Im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt experimentieren Gentechniker mit Kartoffeln, Paradeisern und Erbsen, die als Impfstoffe wirken: Die Forscher schleusen die nötigen genetischen Programme in die Zellkerne der Pflanzen ein. Diese entwickeln dann Antikörper, die jahrelang haltbar sind. Sicher ist, dass Pflanzen wesentlich mehr nutzbare Impfstoffe produzieren können als vergleichbare Kulturen tierischer Zellen oder Bakterien. (APA)

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