Zwei Festnahmen in Beirut im Mordfall Hobeika

26. Jänner 2002, 16:06
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Trauerfeier für ermordeten libanesischen Milizführer

Beirut - Nach der Ermordung des libanesischen Ex-Ministers und ehemaligen christlichen Milizführers Elie Hobeika hat die Polizei in Beirut zwei Männer vorläufig festgenommen. Wie die Behörden am Samstag mitteilten, handelt es sich dabei um den früheren Besitzer des Mordautos, Georges Massoud Hanna, und dessen Vetter Charbel Hanna. Die libanesische Führung hat den israelischen Geheimdienst Mossad für den Mordanschlag auf Hobeika verantwortlich gemacht.

Hanna hatte nach eigenen Angaben seinen blauen Mercedes, der bei dem Anschlag auf Hobeika am Donnerstag als Sprengstoffauto benutzt worden war, vor einem Monat zwei Männern verkauft, deren Identität sich im Nachhinein als falsch herausstellte. Die beiden Männer wurden in ihrem südlibanesischen Heimatort Ein el Mir festgenommen und von der Polizei verhört.

Autobombe

Hobeika war am Donnerstag bei der Explosion der Autobombe zusammen mit drei Leibwächtern und zwei Passanten ums Leben gekommen. Am Samstag fand in Beirut die Trauerfeier statt. Am aufgebahrten Sarg in der Kirche der Heiligen Thekla nahmen neben Familienangehörigen der ehemalige libanesische Staatspräsident Elias Hraoui und der syrische Geheimdienstchef im Libanon, Brigadegeneral Ghazi Kanaan, von dem Toten Abschied. Umweltminister Michel Moussa legte einen Verdienstorden auf den Sarg, der Hobeika von Staatspräsident Emile Lahoud postum verliehen worden war. Der Sarg mit den sterblichen Überresten des ehemaligen Milizführers wurde in Hobeikas Heimatdorf Baskinta, 40 Kilometer nordöstlich von Beirut, übergeführt, um dort beigesetzt zu werden.

Hobeika war 1982 als damaliger Verbündeter der israelischen Invasoren maßgeblich an den Massakern in den Beiruter Palästinenser-Flüchtlingslagern Sabra und Shatila beteiligt, bei denen bis zu 1.500 Palästinenser niedergemetzelt wurden. Der damalige israelische Verteidigungsminister und heutige Regierungschef Ariel Sharon musste ein paar Monate später von seinem Ministeramt zurücktreten, nachdem ihm ein vom Obersten Gericht eingesetzter israelischer Untersuchungsausschuss Mitschuld an dem Blutbad bescheinigt hatte.

Der libanesische Staatspräsident Lahoud erklärte, Hobeika sollte von der Teilnahme an einem belgischen Justizverfahren gegen Sharon wegen Kriegsverbrechen abgehalten werden. Hobeika-Vertraute sollen im Besitz von Dokumenten sein, die Sharon im Zusammenhang mit den Massakern von Sabra und Shatila belasten. Die belgische Justiz will voraussichtlich am 6. März entscheiden, ob sie ein Verfahren gegen Sharon eröffnet. (APA/AP)

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