Keine Planungen für deutsche Führungsrolle in Afghanistan

26. Jänner 2002, 15:43
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Verteidigungsministerium dementiert Berichte - General Franks verteidigt US-Taktik

Berlin/Islamabad - Das deutsche Verteidigungsministerium hat Presseberichte über Pläne zur Übernahme der Führungsrolle in der internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) mit erheblich stärkerer Beteiligung der deutschen Bundeswehr als falsch zurückgewiesen. Ein Ministeriumssprecher erklärte am Samstag in Berlin, Meldungen über eine Erweiterung der Aufgaben und eine Aufstockung des Personals seien falsch. Berichte über Planspiele zur Übernahme der Führungsrolle für den Einsatz nannte der Sprecher "reine Spekulation". Er reagierte damit auf einen Vorausbericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

"Der Spiegel" und die "Leipziger Volkszeitung" (Samstag-Ausgabe) hatten übereinstimmend, aber ohne klare Quellenangabe von Vorbereitungen für die Übernahme der Führungsrolle durch die Bundeswehr berichtet. Die Zahl der Soldaten solle von jetzt vorgesehenen 800 bis 1000 auf 3000 oder 5000 erhöht und das Einsatzgebiet über Kabul hinaus ausgedehnt werden. Dafür solle das Engagement auf dem Balkan reduziert werden.

Der Oberbefehlshaber des Einsatzes in Afghanistan, US-General Tommy Franks, hat unterdessen das Vorgehen seiner Truppen im Kampf gegen die Taliban und das Terrornetzwerk El Kaida verteidigt. Mit der Taktik, die sich auf Luftangriffe und den Einsatz von Sonderkommandos in Zusammenarbeit mit afghanischen Verbündeten stützt, sollten Fehler vermieden werden, wie sie andere in der Vergangenheit gemacht hätten. Franks bezog sich dabei offenbar auf den Einmarsch sowjetischer Bodentruppen 1979 in Afghanistan. Wie Franks am Samstag bei einem Besuch in Islamabad erklärte, liegt das Hauptaugenmerk des Geheimdienstes derzeit auf dem Sichten von Informationen, um neue Terroranschläge zu verhindern. Der Verbleib des mutmaßlichen Terroristenchefs Osama bin Laden und des flüchtigen Taliban-Führers Mohammed Omar sei weiterhin unbekannt. (APA/AP)

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