Anabolika-Affäre: Verteilerring in Österreich gesprengt

28. Jänner 2002, 11:15
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Mutmaßlicher Drahtzieher des Schmuggels: Ein in Österreich inhaftierter Deutscher - WEGA-Beamte auf freiem Fuß

Linz - "Einer der größten Verteilerringe für Anabolika in Österreich dürfte gesprengt sein." Dies ist die derzeitige Bilanz, die seitens des Linzer Zolls im Fall des vergangene Woche bekannt gewordenen Anabolikaschmuggels gezogen wird. Momentan konzentrieren sich die Ermittler darauf, "kleinere" Verteiler und Abnehmer im gesamten Bundesgebiet zu finden und festzustellen, wie viele Personen in den Fall verwickelt sind. Weiters müssen die sichergestellten Substanzen analysiert werden.

Die Ermittlungen führen die Behörden in Linz - hier hatte der zufällige Fund mehrerer Anabolika-Pakete durch einen Postbeamten Ende November den Stein in Rollen gebracht. Unterstützt werden die Linzer Fahnder von ihren Kollegen in Wien, Niederösterreich, aber auch - über Amtshilfeersuchen - den Behörden in Deutschland. Mit anderen EU-Staaten und Tschechien wird ebenfalls eine Zusammenarbeit angestrebt. Das für die Causa in Österreich zuständige Gericht ist Korneuburg in Niederösterreich.

Internationaler Schmugglerring

Der illegale Anabolika-Import wurde von einem internationalen Schmugglerring mit Drehscheibe in Wien organisiert. Die - teilweise verbotenen - Substanzen stammen aus Asien, Südamerika und dem ehemaligen Ostblock und wurden in EU-Ländern verkauft. Weitere Hintermänner des illegalen Handels werden in Tschechien vermutet. Die Anabolika wurden in Österreich in EU-übliche Verpackungen "umgeschichtet" und so an den Mann gebracht. Teilweise dürften die Substanzen gestreckt worden sein, ob Aufschrift und Inhalt der gefälschten Packungen übereinstimmten, ist noch Gegenstand von Ermittlungen. Die Tabletten und Ampullen, die zur Zeit in Linz lagern, müssen erst einer eingehenden chemischen Analyse unterzogen werden.

Ein Deutscher in Korneuburg

Der mutmaßliche Drahtzieher des Schmuggels, ein deutscher Staatsbürger, ist zur Zeit in Korneuburg in Haft. Er schweigt zu den Vorwürfen. Zwei WEGA-Beamte, die einen großen Teil der sichergestellten Anabolika über die Tschechische Grenze nach Österreich gebracht haben sollen, sind geständig und auf freiem Fuß. (APA)

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