Pakistan bietet an Indiens Nationalfeiertag Dialog an

26. Jänner 2002, 12:44
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Musharraf spricht sich trotz indischem Raketentest für Versöhnung aus

Neu-Delhi/Islamabad - Begleitet von strikten Sicherheitsvorkehrungen hat Indien am Samstag seinen Nationalfeiertag begangen, während das Nachbarland Pakistan im Kaschmir-Konflikt erneut ein Dialogangebot unterbreitete. Die traditionelle Militärparade in der Hauptstadt Neu-Delhi fiel deutlich weniger aufwändig als in früheren Jahren aus, da viele Truppenkontingente zurzeit an der Grenze zu Pakistan in Kaschmir stationiert sind. Zehntausende Polizisten und paramilitärische Kräfte sicherten landesweit Feiern zum Nationalfeiertag.

Am 13. Dezember hatten Bewaffnete das indische Parlament überfallen, wobei 14 Menschen starben. Indien macht Pakistan für den Anschlag verantwortlich. Dessen Präsident Pervez Musharraf nutzte den indischen Nationalfeiertag, um Indien erneut ein Dialogangebot zu machen.

Trotz der Sicherheitsbedenken nahmen in Neu-Delhi hochrangige Vertreter der indischen Führung die Militärparade ab, darunter Präsident Kocheril Raman Narayanan und Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee. Unter dem gezeigten Militärgerät auf der Parade war auch ein Prototyp der indischen Rakete Agni II, die für Atomsprengköpfe geeignet ist. Indien hatte am Vortag eine Rakete vom Typ "Agni" getestet, die offiziellen Angaben zufolge eine Reichweite von weniger als 700 Kilometern hat. Verteidigungsexperten werteten den Test als Botschaft an den Atomwaffen-Staat Pakistan und die internationale Gemeinschaft, dass Indien im Kaschmir-Konflikt bei seiner entschlossenen Haltung bleiben werde.

Pakistan protestierte am Freitag gegen den Raketentest und erklärte, damit werde die Stabilität der Region zusätzlich untergraben. Das indische Außenministerium betonte, dass der Test schon lange vor dem Überfall auf das Parlament in Neu-Delhi am 13. Dezember geplant war.

In Neu-Delhi patrouillierten Polizisten am Samstag an allen großen Kreuzungen. Scharfschützen wurden auf Hochhäusern postiert und große Verkehrsadern der Hauptstadt abgesperrt. Der Luftraum über der Militärparade wurde gesperrt, und am Boden wurden Luftabwehrgeschütze installiert. Berichte über Gewaltakte bei den landesweiten Feiern lagen zunächst nicht vor. Die Parade in Neu Delhi endete ohne Zwischenfälle.

Musharraf übermittelte am Samstag dem indischen Ministerpräsidenten seine Glückwünsche zum Nationalfeiertag und erklärte, er sei an guten Beziehungen zu dem östlichen Nachbarn interessiert. "Ich möchte unsere Bereitschaft betonen, einen ernsthaften und nachhaltigen Dialog mit Indien zu führen." Pakistan und Indien haben beiderseits der Demarkationslinie in Kaschmir ein umfangreiches Truppenaufgebot stationiert. Die beiden verfeindeten Nachbarstaaten haben seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 drei Kriege gegeneinander geführt, davon zwei um die Himalaya-Region Kaschmir.

Am 26. Jänner wird in Indien der "Tag der Republik" gefeiert, die 1950 ausgerufen wurde. (APA/Reuters/dpa/AP)

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