China meldet Riesenerfolge mit Agrar-Gentechnik

25. Jänner 2002, 20:13
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Erste Studie: Mehr Ertrag, weniger Gesundheitsprobleme

Peking/Davis/Wien - Was tut China in Agrar-Gentechnik? Dieser spekulationenumrankten Frage geht nun ein erster Überblick nach. Die Antwort: Von 1986 bis 1990 stieg die Zahl einschlägiger Forscher von gut 700 auf knapp 2000, in den Agrarwissenschaften forschen heute insgesamt 70.000 (!) Chinesen, 1999 mit geschätzten 112 Mio. Dollar (127,6 Mio. EURO, 1,76 Mrd. S) Budget.

Experimentiert wird mit 120 verschiedenen Genen bei Baumwolle, Reis, Mais, Weizen, Paradeisern und Erdnüssen. Ganze 110 verschiedene Organismen aus dem Genlabor durften ins Freie, 31 in den Handel - das größte Programm außerhalb Nordamerikas und mit mehr Kleinbauern als alle anderen Entwicklungsländer, schreiben die Agronomen Jikung Huang von Chinas Akademie der Wissenschaften und Scott Rozelle von der University of California im aktuellen Science (Vol. 295, S. 674).

Anderer Ansatz

Dabei verfolgen die Chinesen einen anderen Ansatz als westliche Gentechnik, die auf Herbizidtoleranz baut. 90 Prozent chinesischer Freisetzungen zielen auf Krankheits- und Schädlingsresistenz, etwa durch Einbau des Bacillus thuringiensis (Bt), mit dem sich eine Pflanze, vereinfacht gesagt, selbst gegen Fraßfeinde verteidigt.

Mit Erfolg für die Gesundheit: Während sich jeder fünfte Bauer ohne Bt-Pflanzen mit Agrochemie vergiftete, war es nur jeder zwanzigste Bt-Bauer. Denn dank Gentechnik konnte der Einsatz organischer Phosphor- und Chlorverbindungen von 60,7 auf 11,8 Kilo pro Hektar reduziert werden. Am Beispiel Bt-Baumwolle mit mehr Ertrag: 3371 statt 3186 Kilo.

"Die Antwort armer Bauern in China", resümieren die Forscher, "zerstört jeden Zweifel, dass genveränderte Saaten eine Rolle in armen Ländern spielen können." Ohne staatliche Preisstützung läge der Nutzen aber eher beim Konsumenten.

"Die Daten aus China werden in der Scientific Community als schwer interpretierbar aufgenommen", relativiert Alexander Haslberger, Mikrobiologe an der Uni Wien, "aber wenn Science sie veröffentlicht, stimmen sie zweifellos." Er sieht ökologische Fragen weiterhin ungelöst: "Die Auskreuzungsproblematik, die Patentabhängigkeit und die Problematik von Bt." Denn offenbar können auch Nützlinge durch Bt-Pflanzen vergiftet werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27. 1. 2002)

Von Roland Schönbauer
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