"Raps in Kanada genkontaminiert"

25. Jänner 2002, 20:11
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Bauer will Streit mit Monsanto bis zur letzten Instanz austragen

Zürich/Wien - "Es gibt in Kanada keinen Raps mehr, der nicht genkontaminiert ist", berichtet Percy Schmeiser dem STANDARD, "in sechs Jahren wurde alles - Pflanzen und Saatgut - verunreinigt."

Schmeiser ist ein 71-jähriger Landwirt, der 1998 von der Firma Monsanto beschuldigt wurde, er bestelle seine Rapsfelder mit patentgeschützten herbizidresistenten Genpflanzen, ohne Lizenzgebühren zu bezahlen. Ähnliche Vorwürfe richteten sich gegen viele Bauern. Die meisten einigten sich mit Monsanto, Schmeiser zog vor Gericht. Er habe deren Raps nie angebaut, die Gene könnten nur mit Pollen von Nachbarfeldern gekommen sein.

Die erste Runde hat Schmeiser verloren. Es sei gleichgültig, wie die Gene auf seine Felder gekommen seien, erkannte das Gericht letztes Jahr, er müsse bezahlen. Zudem wurde sein gesamtes Saatgut eingezogen. "Der Schaden geht in die Hunderttausende Kanada-Dollar. Seit 1947 habe ich die Saat entwickelt", sagt Schmeiser, "aber das Urteil hat viele Farmer alarmiert, weil damit auf kontaminierten Feldern jede Pflanze Monsanto gehört."

Schmeiser hat berufen und erwartet, dass sein Fall bis zum Höchstgericht und ins Parlament geht. International hat er so viel Aufsehen erregt, dass der kanadische Bauer mit dem Mahatma-Gandhi-Preis ausgezeichnet und zum weltweit begehrten Vortragenden geworden ist. Derzeit ist er auf Einladung der Umweltorganisation "Erklärung von Bern" in Zürich.

"Konventionelle und Gen-Landwirtschaft können nicht in einer Region koexistieren", schließt er aus seinen und Kanadas Erfahrungen, "man kann die Genkontamination nicht verhindern. Pollen oder Pflanzenteile werden vom Wind verbreitet und von Tieren, vor allem Vögeln."

Das fürchten auch an die tausend kanadische Biobauern, die Mitte Jänner gegen Monsanto (und Aventis) geklagt haben: Ihr Raps sei kontaminiert und deshalb unverkäuflich. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27. 1. 2002)

Von Jürgen Langenbach
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